Familie Frankenthal

Ludwig Frankenthal (Jg. 1885) studierte von 1906 bis 1911 Medizin in München und Berlin. Ein Jahr später erhielt er seine Approbation als Arzt und promovierte zum Doktor der Medizin. Im Ersten Weltkrieg diente der Kriegsfreiwillige als Chirurg und erhielt für seine Verdienste verschiedene Kriegsauszeichnungen. Von 1919 bis 1924 arbeitete Dr. Ludwig Frankenthal als Chirurg an der Universitätsklinik Leipzig und eröffnete dann eine eigene chirurgische Praxis. Im Jahr 1928 wurde er Chefarzt im neu eröffneten, von Chaim Eitingon gestifteten, „Israelitischen Krankenhaus“. Im gleichen Jahr heiratete er Ilse Hinrichsen, das dritte Kind von Martha und Henri Hinrichsen. Beide bezogen nun eine Wohnung am Dittrichring 13. Ihre Söhne Günther und Wolfgang kamen 1929 und 1931 zur Welt.

Im Zuge des Novemberpogroms wurde Dr. Ludwig Frankenthal am 10. November 1938 mit über 500 weiteren Leipziger jüdischen Gefangenen in das KZ Buchenwald verschleppt. Nach vehementer Intervention seiner Frau erfolgte zweieinhalb Wochen später seine Entlassung unter der Bedingung, dass die Familie innerhalb von zwei Wochen Deutschland zu verlassen hatte. Am 14. Dezember 1938 konnte die Familie in die Niederlande fliehen. Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940 wurde die gesamte Familie am 8. April 1943 in das KZ Westerbork eingewiesen. Im September 1944 erfolgte die Deportation nach Theresienstadt und am 12. Oktober 1944 in das KZ Auschwitz. Während Ilse und Günther in das Lager eingewiesen wurden, wurden Dr. Ludwig Frankenthal (58 Jahre) und Wolfgang Frankenthal (13 Jahre) unmittelbar nach der Ankunft am 14. Oktober 1944 ermordet.

Günther Frankenthal starb nach der Befreiung des Lagers am 28.2.1945 im Alter von 15 Jahren an den Folgen der brutalen Zwangsarbeit.

Ilse Frankenthal überlebte als Zwangsarbeiterin. Sie hatte in Brunssum (Niederlande) eine zweite Heimat gefunden. Bis zu ihrem Tode am 30. Juli 1987 hat sie jedoch nie wieder deutschen Boden betreten.