Friedrich Wilhelm Schilling

Wilhelm Schilling wurde am 12. Februar 1902 in Zweenfurth bei Leipzig geboren. Er erlernte den Beruf eines Schlossers und studierte von 1921-1925 in Chemnitz Maschinenbau. Alle ihm angebotenen Stellungen in der Maschinenbaubranche lehnte er ab, denn er wolle nicht für die Aufrüstung Deutschlands arbeiten. Vermutlich war er musikalischer Autodidakt, denn er bestritt seinen ärmlichen Lebensunterhalt mit Musikunterricht. Wilhelm Schilling war nicht verheiratet und hatte auch keine Kinder.

Sein Vater meinte, dass Musikschüler ihn bei der Polizei angezeigt hätten, denen gegenüber er seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht hat, dass Hitler Kriegsabsichten hege. Andererseits erzählte seine Schwester Erna der nachgeborenen Familie, dass Wilhelm, die Gefahr ignorierend, seinen Abscheu gegenüber den Nazis mit einem Antihitler - Plakat zum Ausdruck gebracht hätte, das er am hellen Tage durch die Leipziger Nikolaistraße getragen haben soll.

Fakt ist, dass Wilhelm Schilling am 16. Januar 1939 aus politischen Gründen mit dem Vermerk des „unbefugten Vertrieb von Werbezetteln“ verhaftet wurde. Hintergrund seines Handelns war seine christliche Überzeugung. Rückhalt in der Familie hatte er dabei nicht, denn einige Familienmitglieder partizipierten an der nationalsozialistischen Macht. Somit bildete das Schicksal Wilhelm Schillings in der Familie ein Tabu.

Am 28. April 1939 kam Wilhelm Schilling in das KZ Sachsenhausen. An seinen Vater schrieb er am 30. Juli 1939: „…Ich kann Euch nur eines schreiben: Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte und Treue; Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm …“

Am 4. November 1939 kam Wilhelm Schilling (37 Jahre) in Sachsenhausen ums Leben.