Familie Cohn

Louis Henry Cohn (geb. am 18.2.1895 in Leipzig) und Paula Cohn (geb. Grosz am 15.5.1899 in Leipzig) heirateten am 3.11.1921. Ihre beiden Söhne Ernst und Günter wurden am 25.8.1922 und am 14.9.1923 geboren. Louis Cohn war Kaufmann. Seine beiden Söhne verfolgten eine ähnliche Laufbahn. Sie waren kaufmännische Lehrlinge bei der Firma Rosenfeld.

Die Eltern waren bei der „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ angestellt.

Am 4. Juni 1939 gingen alle jüdischen Verbände und jüdischen Gemeinden zwangsweise in der "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" auf. Auch alle Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, mussten ihr beitreten und Pflichtbeiträge entrichten.

Die Reichsvereinigung stand unter Aufsicht des Reichsministeriums des Inneren und unter direkter Kontrolle der Gestapo, des Sicherheitsdiensts (SD) und ab September 1939 des Reichssicherheitshauptamts (RSHA). Ihr wurde die Verantwortung für die Organisation und Finanzierung der jüdischen Wohlfahrtspflege und des jüdischen Schulwesens übertragen. Neben weiteren Aufgaben wie der jüdischen Auswanderung und der Berufsausbildung ergaben sich aufgrund der Verschärfung der antijüdischen Maßnahmen mit Beginn des Kriegs neue Pflichten: Die "Gemeindeabteilung" der Reichsvereinigung war mit der Betreuung von Gemeinderesten und der Auflösung von jüdischen Gemeinden beschäftigt.

Die NS-Behörden nutzten die Reichsvereinigung als Instrument zur Kontrolle der jüdischen Bevölkerung und zur Durchführung der Massenvernichtung. Nach Beginn der Deportationen im Herbst 1941 musste die Reichsvertretung diese organisatorisch unterstützen. Zu ihren Aufgaben gehörte u.a. die Betreuung der Menschen in den Sammellagern, das Führen von Statistiken über die jüdischen Gemeinden und die Weitergabe von Befehlen der staatlichen Behörden.

Im Mai 1940 unternahm die Familie einen Fluchtversuch.

Louis Cohn wurde am 11.11.1942 verhaftet und am 19.12.1942 nach Auschwitz deportiert, wo er am 6.2.1943 (47 Jahre) umgebracht wurde.

Seine Frau musste nach der Deportation ihres Gatten in der Roscherstraße 19 Zwangsarbeit verrichten. Sie wurde zusammen mit ihren Söhnen am 17.2.1943 nach Berlin und am 26.2.1943 nach Auschwitz deportiert. Dort verlieren sich die Spuren von Paula Cohn (44 Jahre) und dem älteren Sohn Ernst (20 Jahre). Günter Cohn (19 Jahre) ist am 24.5.1943 ermordet worden.