Fritz Hanschmann

Fritz Carl Hanschmann wurde am 06.02.1888 in Leipzig-Thonberg geboren. Er lebte mit seiner Frau Minna und den vier Kindern in der Holsteinstraße 35 und war von Beruf Tischler.

Da er seit 1919 der KPD angehörte und sich am aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime beteiligte, wurde Fritz Hanschmann am 11.02.1935 von der Gestapo verhaftet und saß bis 1936 in den Untersuchungshaftanstalten Beethoven- und Moltkestraße in Leipzig. Das Oberlandesgericht Dresden verurteilte ihn schließlich am 29.01.1936 wegen „gemeinschaftlicher Vorbereitung zum Hochverrat / eines hochverräterischen Unternehmens“ zu 2 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus sowie 3 Jahren Ehrverlust. Das Urteil erfolgte, laut Strafregister, zum KPD-Vorgang gegen Hutschenreuther und andere.

Seine Haft verbüßte Fritz Hanschmann bis zum 25.10.1937 in den Haftanstalten Dresden/Mathildenstraße, Zwickau, Berlin-Plötzensee und Gollnow/Pommern. Nach seiner Entlassung durfte er nicht mehr in seinem Beruf arbeiten, sondern wurde zur Arbeit im Tiefbau verpflichtet. An den Folgen der Misshandlungen in den Zuchthäusern und der schweren Arbeit erkrankte Fritz Hanschmann 1940 und wurde ohne das Wissen der Familie nach Waldheim gebracht. Hier starb er am 18.06.1940, angeblich an einer „Lähmung der Schluckmuskulatur“. Nach Kriegsende wurde seine Urne auf den Südfriedhof umgebettet und die Sekendorfstraße in Leipzig-Thonberg ihm zu Ehren in „Fritz-Hanschmann-Straße“ umbenannt.

 

 

Auszug aus Brief (22. Mai 1935):

„Meine liebe gute Frau und Kinder! [....] Ich kann mir denken, dass es bei Euch knapp zugeht. Ich habe auch bald die Hoffnung verloren, dass es wieder besser wird. [...] Wir werden wohl noch weiter so darben müssen. Da ich hier bin, seid ihr ja mehr gestraft als ich. Aber lieber will ich bei euch Lieben sein und mit Euch darben. Das Leben ist [...] ein Kampf. Aber den Mut wollen wir nicht sinken lassen. Wenn ich wieder bei Euch bin, fangen wir ein neues Leben an. [...]“

 

Auszug aus Brief (5. September 1936)

„[...] Meine liebe Minna! [...] Ich wünschte meine Zeit wäre um, leider immer noch eine lange Zeit 13 ½ Monate, die Hauptsache ist, dass man es gesund übersteht. [...] wegen meinen Zähnen [...] den Kostenaufschlag hat der Arzt schon gemacht aber das ist so viel, dass es hier nicht in Frage kommt [...] Ich muss mich eben behelfen, auf Staatskosten gibt’s hier nichts. Ich mache schon eine Entfettungskur, ich werde immer leichter. [...] bei mir ist jeder Tag wie der andere. Gesundheitlich bin ich so wie man es nimmt auf der Höhe. Auf ein kurzes Wiedersehn im Oktober. [...]

 

 

Auszug aus Brief (1. November 1936, Berlin)

„Ich muss schon sagen, dass der Strafvollzug hier strenger ist als in Zwickau. In Zwickau gab es Stufen und wenn man in so eine Stufe kommt, vorausgesetzt gute Führung, kann man sich [die] Zeitung [...] und jede Woche Lebensmittel kaufen und auch Freizeitbeschäftigung [...] sich genehmigen lassen, wenn genügend Eigenmittel da sind. Das gibt es hier nicht. [...] Stufen braucht es auch nicht zu geben lieber etwas Vergünstigung. [...]“