Dr. med. Otto Michael

Otto Michael wurde am 3. 6. 1876 in die Leipziger Kaufmannsfamilie von David und Mathilde Michael als erster eines Zwillingspaares hineingeboren. Paul folgte wenig später.

Ihre Schulbildung erhielten beide am König Albert-Gymnasium. Otto Michael begann im Herbst 1895 ein Medizinstudium an der Leipziger Alma mater.

Im Mai 1900 erhielt er die Approbation als Arzt. Acht Monate später promovierte er. Zwei Jahre war Dr. Michael Schiffsarzt auf der Route Hamburg - Südamerika. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland nahm er 1903 eine Tätigkeit als Unfallchirurg in Berlin auf und ab 1905 als Chirurg im Krankenhaus im Friedrichshain unter Prof. Dr. Alfred Neumann.

Im Jahr 1910 heiratete er Elisabeth Halle und siedelte mit ihr nach Leipzig über – in die Dresdner Str. 30.

Dr. Michael arbeitete nun intensiv am Aufbau einer eigenen Praxis. 1912 und 1919 kamen die beiden Söhne Peter und Walter zur Welt.

Ein großes familiäres Unglück war der Tod seiner Frau Liesel im Mai 1933. Die engen familiären Beziehungen, insbesondere zu den Waldheims (für sie werden im Herbst 2008 STOLPERSTEINE verlegt), waren der hinterbliebenen Familie eine große Stütze.

Vor allem nach 1935 wurde es auch für Dr. Michael immer schwieriger, seine Praxis zu halten. Nach dem Entzug der Approbation durfte er nur noch als „Krankenbehandler“ für seine Glaubensgenossen tätig sein. Seine Praxis in der Dresdner Straße musste er aufgeben.

Im Zusammenhang mit den Verhaftungen in und nach der Pogromnacht gehörte Dr. Michael zu den Leipziger jüdischen Ärzten, die in das KZ Buchenwald verschleppt wurden. Ende November 1938 kehrte er aus Buchenwald zurück. Seine Kinder hatten Deutschland inzwischen verlassen können.

Dr. Michael wurde zum Chefarzt im Israelitischen Krankenhaus bestellt. Besser dem, was die städtische Verwaltung der jüdischen Gemeinschaft noch zur klinischen Behandlung zugestanden hatte – nämlich das Haus B5, kurze Zeit später das Haus D in der Heil- und Pflegeanstalt Dösen. Mehr als Jahre hat Dr. Otto Michael als Chefarzt unter unvorstellbaren Bedingungen hohes ärztliches Engagement bewiesen.

Am 15. Juni 1943 wurden er und zwei der verbliebenen Mitarbeiterinnen aus dem Haus D in Dösen in die Sammelstelle der 32.Volksschule Yorkstraße befohlen. Der „Transport XVI/2“ brachte ihn und 17 weitere Leipziger Leidensgefährten nach Theresienstadt. Am 18. Juni 1943 kam der Zug in der Bahnstation Bauschowitz an. Den Weg ins Ghetto mussten die Menschen zu Fuß gehen. Er dauerte, wie Überlebende berichten, 1 ½ Stunden.

Schwerstkrank starb Dr. Otto Michael (68 Jahre) am 15. Juni 1944 in Theresienstadt.