Margarete und Leopold Waldheim

Leopold Waldheim, in seiner Familie nur liebevoll Pölling – einer Koseform für Leopold - gerufen, war am 19.09.1864 in dem mecklenburgischen Städtchen Sternberg geboren.

Margarethe, geboren am26.5.1873, war die ein Jahr ältere Schwester von Antonie Michael.

Leopold Waldheim war Rechtsanwalt und seit 1916 auch Notar. Infolge einer Netzhautablösung litt er unter einer schleichenden Erblindung, so dass er auf kollegiale Hilfe angewiesen war. Im Jahr 1927 nahm er daraufhin einen jungen begabten christlichen Kollegen in seiner Kanzlei in der Gottschedstraße 27 auf.

Dieser Rechtsanwalt namens Rudolf Dalitz (1884-1931), war jedoch auch der Vorsitzende des Leipziger Stahlhelms und Mitglied der schwarzen Reichswehr. Er gehörte also zu den führenden Nationalsozialisten Leipzigs. Da Dalitz darüber hinaus aber auch Trinker und spielsüchtig war, bestritt er seinen Lebensunterhalt aus der Bürokasse. Leopold Waldheim erfuhr hiervon erst, als sein Sozius 1931 Selbstmord begangen hatte. Über seinen Nachlass wurde der Konkurs eröffnet. Dalitz hatte Leopold Waldheim insgesamt um 30.000,00 RM betrogen. Das hinderte den Stahlhelm und andere paramilitärische Verbände nicht, dem Betrüger eine eindrucksvolle Bestattung mit etwa 2.000 Teilnehmern zu bereiten.

Die Waldheims hatten keine eigenen Kinder. Es war deshalb für sie ein großes Glück, als sie nach dem I. Weltkrieg die verwaiste Tochter eines befreundeten Ehepaares wie ein eigenes Kind in ihre Familie aufnahmen. Sie erfuhren hierfür jedoch nach 1933 keine Dankbarkeit, denn Erika Larson-Adler wurde später in Stettin ein eifriges Mitglied der NS-Frauenschaft. Sie brach jede Verbindung mit den Eheleuten Waldheim ab, was insbesondere für Margarete eine sehr schmerzliche Erfahrung war.

 

Nach 1933 verlor Leopold Waldheim seine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Das Haus Lortzingstraße 14, das den Geschwistern Michael gehörte, musste veräußert werden und die Eheleute Waldheim wurden gezwungen in das so genannte Judenhaus Humboldtstraße 15 umzuziehen.

Paul Michael, der Bruder und Schwager der beiden, der ihr Schicksal teilte, schreibt in seinen Erinnerungen über die letzten Lebenstage:

„Als wir d.h. das Ehepaar Waldheim und ich am 19. September 1942 also an Pöllings Geburtstag nach Theresienstadt abtransportiert waren und Pölling dort in einem Blindenheim untergebracht werden sollte, erwirkte Grete durch Beharrlichkeit die Erlaubnis, bei ihm bleiben zu dürfen. Hätte sie es doch nicht getan! Denn im Dezember desselben Jahres starb Pölling im 78. Lebensjahr an der im Lager endemisch herrschenden Enteritis und nun hatte das Schicksal das Grausamste für Grete aufgespart: Infolge des Massensterbens blieb die Leiche ihres geliebten Mannes noch 3 Tage neben ihrer Lagerstatt liegen. Im Mai darauf starb sie selbst an Stomatitis, Mundfäule, durch die ihre Zunge so anschwoll, dass sie den ganzen Gaumen ausfüllte und ihren Tod äußerst qualvoll machte.“

Leopold Waldheim starb am 6.12.1942 seine Frau Margarete (69 Jahre) am 20.5.1943.

Quelle: Hubert Lang