Familie Oelsner

Das Schicksal der Familie Oelsner erschließt sich bisher weitgehend nur aus der Sicht einer engen Freundin von Johanna Oelsner, geb. Schiftan. Frau Oelsner kam am 24.4.1871 in Oppeln, Schlesien, zur Welt. Ihr Mann, Richard Oelsner stammt ebenfalls aus Schlesien und wurde am 9.1.1871 in Breslau geboren. Die Freundschaft mit Anna Radestock (Jg. 1855) geht möglicherweise auf den gemeinsamen Geburtsort Oppeln zurück. Frau Radestock wohnte aber schon lange in Leipzig, als am 30.7.1903 Wilhelm Baruch Oelsner noch in Oppeln zur Welt kam. Wann die Familie nach Leipzig kam, ist unbekannt. Die Nachfahren von Anna Radestock berichteten, dass Frau Oelsner oft Gast des Hauses gewesen war. In Leipzig sollen Johanna und Richard Oelsner ein Wäschegeschäft betrieben haben.

Frau Oelsner erzählte, dass sie nachts aus ihrer Wohnung am Lindenauer Markt abgeholt wurden und in ein so genanntes Judenhaus in die Färberstraße einziehen mussten.

Richard Oelsner musste Zwangsarbeit in der Städtischen Arbeitsanstalt verrichten, sein Sohn im Gartenbau. Wilhelm Oelsner war mit einer Nicht-Jüdin verheiratet.

Das Ehepaar Oelsner wurde am 19.9.1942 nach Theresienstadt deportiert. Nachdem der Familie Leopold vor diesem Transport die Flucht gelang, gehörte Wilhelm Oelsner zu den sechs Geiseln, die am 11.11.1942 verhaftet worden sind. Am 16.1.1943 wurde er nach Auschwitz deportiert und am 1.3.1943 im Alter von 39 Jahren ermordet.

Johanna Oelsner, 73 Jahre, kam am 10.12.1944 ums Leben, ihr Mann, 72 Jahre, am 10.5.1943.