Antonie Michael

Antonie Michael, am 12. Juli 1874 in Leipzig geboren, war die 2 Jahre ältere Schwester von Otto und Paul Michael und die fünfte der 7-köpfigen Geschwisterreihe.

Über ihr Leben ist wenig bekannt.

Ihr Bruder, Paul Michael, schrieb in seinen Lebenserinnerungen über Antonie:

“Meine Schwester Antonie, genannt Toni, war ein stilles, in sich gekehrtes Wesen. Als sie etwa in ihrem 21. Lebensjahr bei unserer Tante Ida in Kassel zu Besuch war, brachen bei ihr plötzlich Wahnvorstellungen aus, und ich musste, da ich damals dort gerade meine praktische Lehrzeit absolvierte, sie nach Hause bringen. Von dort kam sie dann in eine Privatklinik in Bayreuth....“

Antonie blieb schwerkrank, wurde aber aus Bayreuth 1920 nach Dösen überwiesen. Besonders ihre ein Jahr ältere Schwester Margarete Waldheim, kurz Grete genannt, kümmerte sich liebevoll um ihre Schwester, und dies nicht nur, weil sie und Bruder Otto die einzigen Geschwister waren, die zu jener Zeit in Leipzig lebten.

Ab 1933 geriet Antonie Michael ins Visier der Judenabteilung von Polizei und Gestapo in Leipzig. Sie wurde am 19. Dezember 1939 von Dösen nach Chemnitz (Altendorf) verlegt.

Die Angehörigen bekamen fünf Monate später die lakonische Mitteilung, dass Antonie Michael am 18. Mai 1940 in einer Chemnitzer Frauenklinik verstorben sei. Sie verstarb wenige Wochen vor Vollendung ihres 66. Lebensjahres.

Paul Michael: „...Im Jahre 1940 wurden wir durch ein Telegramm aus Chemnitz überrascht, das uns von Tonis plötzlichem Tod in einer dortigen Frauenklinik unterrichtete. Die ohne unser Wissen erfolgte Verlegung nach auswärts, die in der Praxis der Hitlerischen Euthanasie gebräuchlich war und die Tatsache, dass Grete sie kurz zuvor noch in guter körperlicher Verfassung gesehen hatte, hat uns in der Überzeugung bestärkt, dass sie keines natürlichen Todes gestorben ist.“

Fest steht, dass im Rahmen der Euthanasieverbrechen nicht nur Todesursachen, sondern auch Sterbeorte gefälscht wurden. Dabei gingen die Transporte nicht direkt in eine der Tötungsanstalten, sondern über so genannte Zwischenanstalten. Diese Verfahrensweise ermöglichte es den an den Tötungsverbrechen Beteiligten vor allem, die Spuren der Kranken zu verwischen. So konnten die Angehörigen nie die wahren Umstände der Verlegung erfahren.