Rudi Opitz

Rudi Opitz wurde am 19. Februar 1908 in Gohlis, in der Blumenstraße 36, als Kind eines Betriebsassistenten geboren und erlebte in jungen Jahren die schwere Zeit des I. Weltkrieges und der folgenden revolutionären Kämpfe im Leipziger Norden. Nach der Volkschule lernte er bei der Firma Körner und Sohn in der Frommannstraße den Beruf des Reproduktionsfotografen und Chemographen. Da er in seiner Heimatstadt nach Ausbildungsende keine Arbeit finden konnte, arbeitete er zuerst in Niedersedlitz bei Dresden und danach in Düsseldorf. Nach seiner Rückkehr nach Leipzig im Jahr 1929 war er arbeitslos. Er engagierte sich im Kommunistischen Jugendverband, dem er seit 1923 angehörte, und seit 1931 in der KPD. Schließlich wurde er Mitglied der Stadtleitung seiner Partei. Seiner Wohngegend war er treu geblieben und wohnte, nunmehr jung verheiratet, in der Hallischen Straße 4 (heute Georg-Schumann-Straße).

Ab 1933 arbeitete er illegal gegen die nationalsozialistischen Machthaber. Noch immer ohne Arbeit fand er kurzfristig eine Anstellung in den Junkers-Flugzeugwerken in Köthen. Zurückgekehrt nach Leipzig wohnte er in der Lothringerstraße 65 (heute Coppistraße).

Am 23. August 1935 wurde er wegen seiner politischen Tätigkeit („Vorbereiten eines hochverräterischen Unternehmens“) verhaftet und nach etwa 17 Monaten Untersuchungshaft in der Leipziger U-Haftanstalt vom Volksgerichtshof in Berlin zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Da ihm die U-Haft angerechnet wurde, verbüßte er die restlichen Monate bis August 1937 im Zuchthaus Zwickau und wurde von dort direkt ins KZ Buchenwald verschleppt. Hier arbeitete er zuerst im Häftlingsarbeitskommando Buchbinderei und Bücherei und dann - wegen seiner beruflichen Ausbildung - im Fotolabor des KZ. Nun hatte er für die SS-Offiziere Fotos und Fotoalben anzufertigen. Diese Gelegenheit nutzte er, um Negativmaterial von den Verbrechen der SS beiseite zu schaffen. Das scheint ihm auch über entlassene Häftlinge gelungen zu sein, denn schon bald erschienen Fotos der ersten öffentlichen Hinrichtung eines Häftlings im KZ mit der Tatschilderung in der internationalen Presse und trugen so zur Entlarvung der Nazis bei.

Da das Fotolabor im Gebäude der Gestapo untergebracht war, konnte er auch die Verhöre des Gestapomannes Leclair belauschen und als Information im Lager weitergeben.

Als Rudi Opitz 1939 von seiner beabsichtigten Entlassung aus dem KZ erfuhr, versuchte er weiteres wichtiges Fotomaterial an sich zu bringen. Während einer Routinekontrolle wurde ein Fotonegativ über Exekutionen zufällig entdeckt. Statt in die Freiheit kam er am 29. Juni 1939 in den Bunker des KZ und wurde dort furchtbar misshandelt. Im Hochsommer wurde er drei Tage lang an die überheizte Dampfheizung angekettet, um Namen von Mitverschwörern zu erpressen. Als dies nicht gelang, wurde er vom berüchtigten SS-Scharführer Sommer ermordet.

Die Akten vermerken: 7.8.1939, 9:15 Uhr „Freitod durch Erhängen“.
Rudi Opitz wurde 31 Jahre alt.

 

Quelle: Dr. Dieter Kürschner, Mona Hohler