Czarna Lea Steigmann und ihr Sohn Leo Steigmann

Czarna Lea Steigmann (geb. Hutschnecker) wurde am 15. Juli 1874 in Kolomea in der heutigen Ukraine geboren. 1898 oder 1899 heiratete sie den Kaufmann Joseph Steigmann. Das junge Ehepaar ging um die Jahrhundertwende nach Elberfeld in der Nähe von Wuppertal. Hier wurde am 22. Juli 1901 ihr Sohn Max und am 1. Februar 1906 Leo geboren. Nach Leipzig kam die Familie 1908 und wohnte seitdem in der Berliner Str. 56. Max hatte Jura studiert und wurde 1924 zum Dr. jur. promoviert. Da er bereits 1933 mit Berufsverbot belegt wurde, emigrierte er Anfang 1934 zunächst nach Südafrika und 1938 nach Palästina. In den 1950er Jahren lebte er in Haifa.

Leo absolvierte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre und machte sich Ende der 1920er Jahre mit einem Rauchwarengeschäft selbständig. Ihr Vater starb im Juni 1938.

Am 28. Oktober 1938 wurden Juden mit polnischem Pass aus Deutschland abgeschoben. Frau Steigmann schrieb in einem Brief vom 6. November 1938 an ihren älteren Sohn Max: „Du wirst bestimmt von unserem Unglück gehört haben. Ich befinde mich seit acht Tagen in Kolomea bei Fam. Bloch. Wir sind am Freitag von den Schutzleuten abgeholt worden u. mit einem Handkoffer vom Hause weggegangen. Zum Glück ist Leo zu Hause geblieben [...] u. hat [...] sich aufs Konsulat versteckt. [...] Ich bin ohne Wäsche und Geld vom Hause weggegangen. Am Freitag um 8½ Uhr früh geschah es. [...] Die Reise dauerte von Freitag früh bis Sonntagabend. Die Strapazen, die wir durchzumachen hatten, sind unbeschreiblich. 3½ Stunden gingen wir zu Fuß in der Nacht, durch Sümpfe und Wüsten, Tausende von Menschen mit kleinen Kindern und Greisen. [...] Ich stehe ganz verzweifelt da. Ich weiß keinen Ausweg [...].“

Im Zusammenhang mit einem Verkehrsdelikt wurde Leo Steigmann im Frühjahr 1939 von der Leipziger Polizei mit einem Strafbefehl bedrängt. Am 22. Juni 1939 floh er nach Krakau und ging kurz darauf nach Kolomea zu seiner Mutter.

Das letzte Lebenszeichen seiner Mutter erreichte Max 1942 in Form eines Roten-Kreuz-Telegramms. Wie Czarna Steigmann (68 Jahre) und Leo Steigmann (36 Jahre) ums Leben kamen ist unbekannt.

Wenn man jedoch die Umstände in Kolomea nach dem Einmarsch der Wehrmacht im August 1941 betrachtet, dann bleibt keine Überlebenschance. Die jüdische Bevölkerung musste in ein Getto, das im Februar 1943 liquidiert wurde. Bis dahin gingen viele Transporte in das Vernichtungslager Belzec. Viele wurden in einem nahegelegenen Wald erschossen. Auch durch die katastrophalen Lebensbedingungen oder durch die Übergriffe der SS und der ukrainischen Hilfskräften im Getto kamen Viele ums Leben.