Gertrud und Max Isaacsohn

Von dem Ehepaar Isaacsohn ist sehr wenig bekannt. Gertrud Isaacsohn, geb. Rosenthal, wurde am 13.8.1882 in Chemnitz / Sachsen geboren, Max Isaacsohn am 1.1.1883 in Gollub (Westpreußen). Herr Isaacsohn war Kaufmann. Die Ehe wurde am 2.2.1922 in Dresden geschlossen.

Das Ehepaar war bis 1938 Eigentümer des Kaufhauses „Rosenthal“ in Torgau. Am 3.4.1939 kamen sie von Torgau nach Leipzig. Viele jüdische Bürger aus kleineren Orten kamen in die größeren Städte. Hier waren die Gemeinden größer, die somit mehr Schutz vor Übergriffen boten. Es ist zu vermuten, dass das Ehepaar Isaacsohn aus ähnlichen Gründen nach Leipzig kam. Sie bezogen zunächst eine Erdgeschosswohnung in der Thomasiusstraße bis auch sie im Februar 1941 in eines der sogenannten „Judenhäuser“ ziehen mussten (Funkenburgstr. 15).

Seit dem Novemberpogrom 1938 bemühten sie sich zu Verwandten in die USA auszureisen. Doch wahrscheinlich reichte auch hier das nötige Geld nicht aus.

Am 20.1.1942 wurden beide verhaftet. Der erste Transport von Leipzig zur Ermordung der Juden ging am 21.1.1942 nach Riga. Damit verliert sich die Spur von Gertrud (59 Jahre) und Max Isaacsohn (59 Jahre).

Vom November 1941 bis zum Winter 1942 wurden aus Deutschland in etwa 28 Transporten mehr als 25 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder unter dem Vorwand des „Arbeitseinsatzes“ in erster Linie nach Riga deportiert. In dem strengen Winter 1941/42 mussten die Menschen in ungeheizten Güterwagen fahren, was zu zahlreichen Erfrierungen führte. Wer in Riga angekommen war, wurde erschossen oder kam durch die unmenschlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen um.

 

Moritz Moses Neger

Moritz Neger wurde am 21. April 1889 in Kolomea (Galizien) geboren. Vermutlich mit seinen Eltern kam er 1899 nach Leipzig. Hier heiratete er Rosa Berl, die von Rumänien nach Deutschland kam. Noch vor seinem Militärdienst im 1. Weltkrieg kamen die Kinder Chana (1914) und Julius (1915) zur Welt. Nach seiner Entlassung war er im Dezember 1918 wieder in Leipzig. Der Sohn Salo wurde 1920 geboren und Tochter Henny 1921.

Moritz Neger war Kaufmann und Inhaber eines Geschäfts mit Waren, die qualitative Mängel aufwiesen (Partiewaren). Wahrscheinlich war es eher ein mühsamer Handel, denn in den überlieferten Polizeiakten wurden für die 1920er Jahre mehrere „Gewerbevergehen“ vermerkt.

Die Familie hatte auf Grund der Herkunft von Moritz die polnische Staatszugehörigkeit. Damit fiel die Familie unter die Abschiebepraxis der Nationalsozialisten im Oktober 1938. Die älteste Tochter, Chana, war mit einem Schweizer verheiratet und lebte bereits in Basel. Ihr gelang es, die Familie bis auf den Vater nachzuholen.

Am Tag der sog. „Polenaktion“ am 28. Oktober 1938 wurde Moritz Neger aus Deutschland abgeschoben. Es ist wahrscheinlich, dass er in seine Geburtsstadt Kolomea ging. Die Familie seines Bruders Jakob ereilte das gleiche Schicksal. Sie wurde aus Karlsruhe abgeschoben. Moritz Neger bemühte sich, nach Deutschland zurückzukehren. Ende Juni 1939 bekam er für zwei Wochen eine Einreisegenehmigung. Nach Ablauf dieser Frist suchte die Polizei u.a. in der Thomasiusstraße vergeblich nach Moritz Neger. Am 14. September 1939 wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. Was mit ihm geschah bleibt unbekannt. Die Nachforschungen der Familie nach dem Krieg ergaben keine belastbaren Hinweise. Es bleibt bei Vermutungen, dass Moritz Neger nach dem deutschen Einmarsch in Polen in verschiedenen Lagern gewesen sei, bevor er nach 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

Paten: Yvette Pintar (Urenkelin), Hannah Lehmann, Vivian Krück, Jasmin Schäfer, Alexandra Huber, Keana Höche (Leibniz-Gymnasiums)