David Wainberg

David Wainberg wurde am 25. Juni 1878 in München geboren. Hier verbrachte er seine Kindheit und erlernte das Druckerhandwerk. Bereits als sehr junger Mann ging er nach Paris und London und arbeitete in großen Druckereien in  Lausanne und Brüssel. Etwa 26jährig kam er nach Delitzsch, um eine Stelle als technischer Leiter der Zeitungsdruckerei zu übernehmen.
Hier lernte er seine Frau Martha, geb. Herdam, kennen.

Etliche Jahre später machte er sich mit einer eigenen Firma „D. Weinberg’sche Buchdruckerei“ in der Leipziger Poststraße selbstständig. Die junge Familie wohnte in der Roßstraße 9 im 3. Stock. Sie hatten zwei Kinder, Alfred, geb. 1906, und Edit, geb. 1909. Martha arbeitete in der Firma ihres Mannes mit.

David Wainberg hatte die türkische  Staatsangehörigkeit, die er oder seine Eltern hatten kaufen können, um nicht als staatenlos zu gelten. Martha Wainberg musste vor ihrer Heirat zum Judentum übertreten. Das schrieb das türkische Gesetz vor: ein Mann durfte nur eine Frau mit der selben Religionszugehörigkeit heiraten.

Nachdem die Nazis an die Macht kamen, wurde David Wainberg nach über 20 Jahren Mitgliedschaft nahe gelegt, aus dem Turnverein und dem Französischen Club auszutreten.

Unter Hitlers Einfluss erkannte die Türkei allen Bürgern mit "gekaufter" Staatsbürgerschaft die Staatsangehörgkeit einfach ab, so auch David Wainberg.

Als nach dem 9. November 1938 alle Betriebe „arisiert“ wurden, war David Wainberg gezwungen, alle Maschinenteile einzeln zu verschleudern, weil eine Klausel in seinem Mietvertrag für das Gebäude in der Poststraße einen fremden Nachfolger ausschloss. Am 31. August 1939 erhielt die Familie einen Ausweisungsbefehl als staatenlose Ausländer: Sie hatten Deutschland zu verlassen und 4.400 Reichsmark „Sühne“ zu entrichten.

Den Eheleuten gelang es, sich schnell scheiden zu lassen und eine Menschenschmuggel-Organisation zu finden, die David Weinberg bei Nacht durch einen Wald nach Belgien brachte.

Er war 61 Jahre alt, als er mit einem kleinen Köfferchen am 4. September 1939 in Brüssel ankam. Dort konnte er sich bis 1942 als eine Art Hausknecht verdingen.

Seine Tochter Edit Ackerknecht, geborene Weinberg berichtete 1973:
„Was meinen Vater betraf, so hatten wir seit 1942 nichts mehr von ihm gehört. Als die Deutschen Belgien besetzt hatten, war er aus Brüssel geflohen, aber dann entmutigt, dorthin zurückgekehrt. Er bat, wir sollten ihm Papiere schicken, die bewiesen, dass er halbarische Kinder hatte. Es schien, dass darin eine Chance für ihn lag. Wir taten es selbstverständlich sofort, aber danach hörten wir nichts mehr. Meine Mutter erkundigte sich bei seiner Hauswirtin und nach lange Zeit antwortete diese: Er ist fort mit der Großen Armee. „Avec la Grande Armee“. Was hieß das? …. Was es in Wahrheit hieß, das machten wir uns nicht klar.“

David Wainberg wurde im Alter von 64 Jahren am 10. Oktober 1942 vom Sammellager Mechelen in Belgien aus nach Auschwitz deportiert, wo er einem Außenlager zugeteilt wurde; er kam in das Lager Blechhammer bei Cosel, einem Arbeitslager der I.G. Farbenindustrie A.G. und starb dort 1942 in Folge einer Typhusepidemie.

 

Recherche: Christine Gohl (Enkelin)