Erika, Genia und Renate Landwirth

Die drei Mädchen sind die Kinder von Selma (geb. Schwarz, Jg. 1905) und Moritz Landwirth (Jg. 1895). Die Eltern heirateten 1936. Moritz Landwirth war Kaufmann und hatte seit 1924 eine eigene Kürschnerei mit etwa acht Angestellten. Nach der Machtergreifung der Nazis musste er die Firma aufgeben. Er verdiente nun im Jüdischen Palastcafé den Lebensunterhalt für die Familie. Moritz Landwirth engagierte sich illegal für den zionistischen Jugendbund „Habonim“ (Bauleute). Darin ging es um einen sozialistischen Zionismus. Der einfache Arbeiter am Aufbau Palästinas war dabei das Vorbild.

Tochter Erika wurde am 12.04.1930 in Rosswein geboren und Genia am 26.03.1937 in Leipzig. Am 28.10.1938 wurde die junge Familie nach Polen abgeschoben und wohnte daraufhin in Krakau, von wo Frau Landwirth stammte.

Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen 1939 mussten die Eltern Zwangsarbeit verrichten, wobei Moritz Landwirth vornehmlich im Straßenbau ausgebeutet wurde. Am 09.04.1940 kam Tochter Renate zur Welt. Im März 1941 wurde das Krakauer Ghetto errichtet, wo die junge Familie fortan leben musste. Vor den Eltern stand eine Odyssee durch die verschiedenen Lager. Moritz Landwirth schrieb 1955 für das Amt für Wiedergutmachung in Köln seine Haftzeiten und Haftorte nieder:

 

Herbst 1939 – März 1941

Zwangsarbeit in Krakau

März 1941 – März 1943

Ghetto Krakau

März 1943 – Mai 1944

Zwangsarbeitslager Krakau - Plaszow

Mai 1944 – Januar 1945

Zwangsarbeitslager Falkenberg /Niederschlesien, unter dem Kommando des KZ Gross-Rosen

Januar 1945 – April 1945

 

KZ Bergen-Belsen, Zwangsarbeitlager Hannover und Hildesheim

 

Am 15. April 1945 wurde er befreit. Ein ähnliches Leid musste Selma Landwirth ertragen. Vom Lager Krakau – Plaszow kam sie nach Auschwitz und Ravensbrück. 1945 wurde sie in Retzow (Mecklenburg) befreit. Das Ehepaar hat sich in Leipzig wieder gefunden - jedoch ohne ihre Kinder.

 

Das Schicksal der drei Schwestern bleibt nicht vollends geklärt. Die nach dem Krieg geborene Tochter erinnert sich nur an wenige Dinge, die die Eltern aus Ihrer Leidenszeit erzählten, da ansonsten ein Mantel des Schweigens auf dieser Zeit lag.

 

Eines der Mädchen ist an Mittelohrvereiterung im Ghetto Krakau gestorben. Die beiden anderen sind vermutlich nach Auschwitz deportiert und ermordet worden, denn jedes Mal, wenn die Mutter das bekannte Lied „Mamatschi, kauf mir ein Pferdchen“ hörte, brach sie in Tränen aus. Dieses Lied ertönte aus den Lautsprechern, wenn die Kindertransporte nach Auschwitz gingen. In dem Film „Schindlers Liste“ ist eine solche Szene dargestellt.