Margarete Bothe

„Ich, Margarete Bothe, Tochter des Generaldirektors Gustav Bothe, bin am 22.7.1914 in Merseburg geboren.“ So beginnt Margarete Bothe ihren Lebenslauf, den sie 1943 der philosophischen Fakultät der Leipziger Universität vorlegte, um dort bei Otto Vossler in Geschichte zu promovieren.

Sie war das dritte Kind des Merseburger Land(es)rates Gustav Bothe, der aus Hannover stammte und später Generaldirektor der Städtefeuersozietät der Provinz Sachsen wurde. Ihre Mutter Lotte (Charlotte) war die Tochter des Merseburger Dompredigers und Stiftssuperintendenten Prof. D. Wilhelm Bithorn.

Margarete Bothe ließ sich in Braunschweig an der Bernhard-Rust-Hochschule für Lehrerbildung zur Volksschullehrerin ausbilden und begann 1938 mit dem Studium der Germanistik, Geschichte und Geographie in Heidelberg. Da die Universität 1939 nach dem Kriegsausbruch zunächst geschlossen wurde, setzte M. Bothe ihr Studium an der Leipziger Universität fort.

Von den Gräueltaten der Deutschen hatte sie von ihrem jüngeren Bruder erfahren, der den Einmarsch in die Tschechoslowakei und den Polenfeldzug mitgemacht hatte.

Nach ihrer Promotion beendete sie im November 1944 ihr Studium mit dem Staatsexamen für das Höhere Lehramt. Sie war gerade im Begriff, ihre Wohnung aufzulösen und nach Hannover zu ihren Eltern zu ziehen, als sie von der Gestapo verhaftet wurde. Der Vorwurf: „Rundfunkverbrechen“, also das Abhören ausländischer Sender.

Wie nun war Margarete Bothe ins Visier der Gestapo gelangt? Von Oktober 1942 bis März 1944 hatte sie ihr möbliertes Zimmer bei dem ehemaligen Philosophieprofessor Alfred Menzel gemietet, der an der Höheren Israelitischen Schule zu Leipzig bis zum Novemberpogrom 1938 unterrichtet hatte. In seiner Wohnung traf sich ein Freundeskreis von Regimegegnern.

Menzel und seine Frau waren um die Jahreswende 1942/43 dazu übergegangen, ausländische Sender zu hören. Das hielten sie zwar zunächst vor ihrer Untermieterin geheim, gaben aber dann doch Informationen an sie weiter. Da sich Margarete Bothe in der kalten Jahreszeit im Wohnzimmer ihrer Wirtsleute aufwärmen durfte, hörte sie mit. Über die von ihrer Vermieterin erhaltenen Informationen hatte sie unvorsichtigerweise einmal einer Kommilitonin erzählt. Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 hat man sie denunziert. Viel später am 1. Dezember 1944 wurde Margarete Bothe verhaftet, ihre ehemaligen Vermieter drei Tage später. Am 15. Januar 1945 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Rundfunkverbrechens. Margarete Bothes Prozess fand am 1., 6. und 8. Februar 1945 vor dem Sondergericht I in der Elisenstraße 64 (heute Bernhard-Göring-Str.) statt und endete mit einem Freispruch.

Margarete Bothe wurde auf Betreiben der Gestapo aber nicht freigelassen. Dabei war der Gestapo vermutlich das Abhören von ausländischen Sendern in diesem Falle gar nicht das Wichtigste. Entscheidender war wohl eher, dass Margarete Bothe ihre damaligen Vermieter nicht angezeigt hatte und unmissverständlich klargemacht hatte, dass sie auch in Zukunft auf gar keinen Fall denunzieren würde. Am 9. Februar 1945 kam sie wieder ins Polizeigefängnis Wächterstraße. Bevor die Amerikaner Leipzig am 18. April befreien konnten, wurde Margarete Bothe zusammen mit 51 weiteren Gefangenen aus den Gestapo-Gefängnissen am 12. April 1945 erschossen. Margarete Bothe war 30 Jahre alt.

 

Quelle: Wulf Bothe

 

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte Margarete Bothes in: Sächsische Lebensbilder, Band 6, hg. v. Wiemers, Gerald, 2 Teilbände A-K, L-Z (= Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 33). Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig in Kommission bei Steiner, Stuttgart 2009