Familie Rodoff

Die zehnköpfige jüdische Familie Rodoff lebte im Waldstraßenviertel. Der Vater Chaim, geb.1892 in Kiew hatte ein Pelzgeschäft am Brühl. Die Mutter Rosa, geb. 1898 in Rzeszow (Polen), war Kontoristin (Bürokauffrau). Sie hatten 1921 in Augsburg geheiratet und zwischen 1924 und 1939 die acht Kinder Irma, Max, Ruth, Miriam, Dorothea, Eva, Paja Jutta und Bela bekommen.

Der Zeitzeuge Rolf Kralovitz besuchte mit Max Rodoff dieselbe Schule und stellte mit ihm zusammen allerlei an. Kralovitz berichtete, dass die Rodoffs Mitglieder der orthodoxen Ez-Chaim-Synagoge waren, die in der Otto-Schill-Straße stand.

Nach der Pogromnacht 1938 wurde es für Juden lebensgefährlich, in Deutschland zu leben. Wie viele andere zuvor beantragte Chaim 1940 Ausreise-Visa für die USA. Der Bruder und der Cousin von Rosa bürgten in New York. Wahrscheinlich war dies jedoch nicht genug, um die Bürgschaften für alle zehn zu bekommen, denn erhalten haben sie nur drei Visa.

So hatten die Eltern die schwere Entscheidung zu treffen, wer ausreisen durfte und wer nicht. Der einzige Sohn Max und seine beiden jüngeren Schwestern Ruth und Miriam verließen am 31. Mai 1941 Deutschland und gelangten über Lissabon mit dem Schiff nach New York.

Die anderen sieben Familienmitglieder wurden nur acht Monate später deportiert. Erst waren sie für drei Tage in einer Schule in der damaligen Yorkstraße (heute: Erich-Weinert-Straße) gesammelt worden. Am 21. Januar 1942 wurden sie dann zusammen mit weiteren jüdischen Leipzigern vom Bahnhof Leipzig / Engelsdorf in das Ghetto von Riga deportiert. An diesem Tag waren es eiskalte Minus 20 Grad, wie sich Rolf Kralovitz erinnert. Er musste damals bei der Deportation helfen.

Im Rigaer Ghetto angekommen, wurden die Menschen zu schwerer Arbeit am Hafen sowie beim Flughafen- und Lageraufbau gezwungen. Von Juli bis November 1943 wurden die Gefangenen in das neue KZ Riga-Kaiserwald gebracht. Mutter Rosa und die jüngste Tochter Bela wurden am 2. November 1943 mit einem Transport von Kindern und Kranken nach Auschwitz gebracht, wo sie noch im selben Monat ermordet worden sind. Dorothea, Eva, Irma und Paja Jutta kamen im Juni 1944 in Riga-Kaiserwald um. Wann Vater Chaim dort starb, konnte noch nicht herausgefunden werden.

Chaim Rodoff war 50 Jahre.

Rosa Rodoff war 45 Jahre.

Irma Rodoff war 20 Jahre.

Die Zwillinge Dorothea und Eva Rodoff waren 12 Jahre.

Paja Jutta Rodoff war 11 Jahre.

Bela Rodoff war 4 Jahre alt.

 

Quelle: Erich-Zeigner-Haus e.V.