Emma und Johanna Danziger

Die Zeit des Nationalsozialismus zerriss auch die jüdische Familie Danziger. Der selbstständige Tuchhändler Robert Danziger und seine Frau Emma, geb. Engel, hatten eine Tochter Johanna und die beiden Söhne Walter und Egon. Was wir über das Schicksal wissen, stammt zum größten Teil aus den überlieferten Erzählungen von Walter Danziger. Die Brüder waren sehr sportlich. Walter boxte und tanzte, Egon betrieb Wassersport. Bereits Anfang der 1930er Jahre ging Egon in die USA. Walter wurde 1932 auf  Grund seiner politischen Einstellung auf offener Straße brutal zusammengeschlagen und sein Gesicht blieb zeitlebens entstellt. Er floh nach Frankreich und wurde im Familienbetrieb seiner späteren Frau Polsterer und Matratzenmacher. Im Krieg beteiligte er sich in Lyon an der Resistance.

Seine Eltern und seine Schwester blieben in Leipzig. Vater Robert starb am 14.12.1940 und wurde auf dem Alten Israelitischen Friedhof begraben.

Mutter Emma (geb. 19.5.1878 in Schönlanke – Posen) und Schwester Johanna (geb. 3.5.1904 in Netzthal – Posen) wurden am 21.1.1942 nach Riga deportiert. Damit verliert sich ihre Spur. Von den 559 Leipzigern, die an diesem Tag deportiert wurden, überlebten 29.

Vom November 1941 bis zum Winter 1942 wurden aus Deutschland in etwa 28 Transporten mehr als 25 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder unter dem Vorwand des „Arbeitseinsatzes“ in erster Linie nach Riga deportiert. In dem strengen Winter 1941/42 mussten die Menschen in ungeheizten Güterwagen fahren, was zu zahlreichen Erfrierungen führte. Wer in Riga angekommen war, wurde erschossen oder kam durch die unmenschlichen Lebensbedingungen um.

Emma Danziger war 63 Jahre alt. Johanna Danziger war 37 Jahre.

 

Quelle: Ada-Maria Mathé