Sora Sofie Schneider

Sora Sofie Schneider wurde am 7. August 1891 in Sidra im heutigen Polen geboren. Ihre Staatsangehörigkeit ist ungeklärt. In einigen Dokumenten wird eine türkische angenommen. In Leipzig lebte sie in der Eisenbahnstraße 97, zuletzt in der Leibnizstraße 4. Sie arbeitete als freiberufliche Malerin in Leipzig, ein für die damalige Zeit ungewöhnlicher Beruf für eine Frau.

1933 begannen die sofortigen Maßnahmen, um jüdische Mitbürger*innen aus dem gesellschaftlichen Leben auszuschließen. Zu diesem Zeitpunkt war Sora Sofie Schneider 42 Jahre alt. Für jüdische Künstler*innen ging die Machtergreifung der Nazis mit dem Ausschluss aus dem „Reichsverband der Deutschen Künstler“ sowie einer Belegung mit Ausstellungsverbot einher. Insbesondere jüdische Künstlerinnen* arbeiteten häufig unter männlichen Pseudonymen. Die antijüdische Gesetzgebung verbot ab 1936 das Tragen von Künstler*innen-Namen, was für jene Frauen* eine schwere Einschränkung darstellte.

Ob dies auch Sora Sofie Schneider betraf, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Ein Nachlass konnte bisher nicht gefunden werden. Wir wissen nicht, welche Bilder sie malte und unter welchem Namen, ob ihre Familie sie in ihrem Schaffen unterstützte oder nicht. Akten weisen darauf hin, dass sie unverheiratet war. Fest steht des Weiteren, dass auch sie unter den Nationalsozialist*innen ihrer Tätigkeit als Malerin nicht mehr nachgehen konnte. Es ist dokumentiert, dass sie Zwangsarbeit verrichten und als Hilfsschwester arbeiten musste.1 Nach 1939 wurde Frau Schneider gezwungen, in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Leibnizstraße 4 zu ziehen.

Verwandte in den USA (Cousin) und Norwegen (Vater und Schwager) bemühten sich ab 1938 vergebens um ihre Ausreise. Affidavit und Zusatzaffidavit waren gestellt. (Für die USA am 3. Dezember 1938.) Ein von ihr ausgefüllter Ausreiseantrag ist datiert auf das Jahr 1940.2

Anfang 1942 begann die „systematische“ Vernichtung der europäischen Juden durch die Nazis. In Leipzig fungierte die 32. Volksschule in der Yorkstraße als sogenanntes „Sammellager“, in dem sich die Betroffenen vor ihrer Deportation aufzuhalten hatten.3 Sora Sofie Schneider befand sich im ersten Transport von Leipzig nach Riga am 21. Januar 1942.4

Vor der Ankunft der Jüd*innen aus Deutschland in das bereits überfüllte Ghetto wurden die dort untergebrachten baltischen Jüd*innen ermordet.

Ab Mitte 1943 wurde die Auflösung der östlichen Ghettos vorangetrieben, so auch in Riga. Nach und nach wurden die Bewohner*innen in das KZ Kaiserwald gebracht, wo sie zu Arbeit unter schwersten Bedingungen gezwungen wurden. Menschen, die als arbeitsunfähig galten, wurden hingegen direkt nach Auschwitz transportiert.5

Doch schon in Riga verliert sich die Spur von Sora Sofie Schneider. 1942 war sie 50 Jahre alt.

Patenschaft und Recherche:

Soziokulturelles Zentrum Frauenkultur Leipzig 2012 / 2013
Recherche: Kerstin Kollecker, Historikerin, Leipzig 2012 / 2013
Kopien: Dokumente der Israelitischen Religionsgemeinschaft Frau Klaudia Krenn

Weitere Quellen:
Bertram, Ellen: Menschen ohne Grabstein. Gedenkbuch für die Leipziger jüdischen Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Passage-Verlag. Leipzig 2011.
Brenner, Hedwig: Jüdische Frauen in der Bildenden Kunst: ein biographisches Verzeichnis. Hartung-Gorre Verlag. Konstanz 1998.

1 Siehe: Dokumente der Israelitischen Religionsgemeinde: Fragebogen Auswanderung 24.6.40, S.4; siehe auch: Liste der am 21.1.1942 aus Leipzig abgewanderten jüdischen Personen, S.2f.
2 Siehe: Ebd. Fragebogen Auswanderung 24.6.40, S.4.
3 Siehe: Bertram, Ellen: Menschen ohne Grabstein, Passage-Verlag, Leipzig 2011, S.46.
4 Siehe: Dokumente der Israelitischen Religionsgemeinde: Liste der am 21.1.1942 aus Leipzig abgewanderten jüdischen Personen, S.2f + Nachweis, dass am 21.1.1942 der erste Transport aus Leipzig nach Riga stattfand u.a. in: Bertram 2011, S.46, Tabelle.
5 Siehe: Bertram 2011, S.52.