Fanny Chaja Mann

Fanny Chaja Mann, geb. Gang, kam am 29. Juni 1865 vermutlich in Rozdó in der Nähe von Lemberg (Polnisch Lwów, heute Lwiw, Ukraine) zur Welt. Sie lebte in Leipzig zunächst in der Neustädter Straße 13 und später in der Auenstraße 1b. Frau Mann kam bei der sogenannten „Polenaktion“ am 28. Oktober 1938 ums Leben.

Hintergrund der Abschiebung der in Deutschland lebenden polnischen Juden durch die Nationalsozialisten war der Beschluss der polnischen Regierung, ihnen bei dauerhaftem, aber mindestens länger als fünf Jahre währenden Wohnsitz im Ausland, die polnische Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Damit hatte die polnische Regierung eine Massenausweisung polnischer Juden durch die Deutschen verhindern wollen. Daraufhin folgte eine Zwangsausweisung polnischer Juden aus Deutschland in einer groß angelegten Aktion der Nationalsozialisten. Diese Menschen wurden in Deutschland verhaftet, dann an die östliche Grenze gebracht und dort im Niemandsland ausgesetzt.

In Leipzig begann die Gestapo am Morgen des 28. Oktober 1938 die Menschen in Sammellagern zusammenzutreiben und vom Hauptbahnhof mit Sonderzügen abzuschieben. Etwa 1.300 Menschen konnten im polnischen Konsulat noch Schutz finden. Das Ehepaar Mann zählte nicht zu ihnen. Frau Mann bekam im Zug noch vor der Abfahrt einen Herzinfarkt. Ihrem Mann wurde gestattet, sie zu beerdigen. Damit entkam er der Abschiebung und verstarb später im Jüdischen Altersheim.

Fanny Chaja Mann wurde 73 Jahre alt.

 

Pate und Recherchen: Frauenkultur Leipzig
Quelle: Ellen Bertram: Menschen ohne Grabstein, Leipzig, 2011