Minna Milda Elsa Walther geb. Schmeißer

Milda Schmeißer wurde am 2. Januar 1885 in Markranstädt bei Leipzig geboren und war gelernte Kontoristin. Am 10. Juli 1909 heiratete sie den Schriftsetzer Richard August Walther (Jg. 1882), der am 9. April 1915 im Ersten Weltkrieg fiel. Kurz vor seinem Tod kaufte er noch das Haus in der Großmannstraße 9. Zusammen hatten die Eheleute eine Tochter, Doris Ilse (geb. 6. Dezember 1910). Diese heiratete später Ernst Haushälter.

Frau Walther wurde 1926 auf Grund psychischer Probleme arbeitsunfähig und erhielt eine Rente von der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte. Ein Gutachten von 1930 diagnostizierte „hallucinatorische Störungen, die ihr ganzes Seelenleben ergriffen haben“. Ihr Zustand verschlechterte sich in der Folgezeit immer mehr, so dass 1935 ihre Tochter mit ihrem Mann in die Großmannstraße zog, um die Hausgeschäfte zu führen und die Mutter unter gewisser Aufsicht zu halten.

Frau Walther befand sich immer wieder in stationärer Behandlung in der Heilanstalt Leipzig-Dösen, im Jahr 1943 sogar über mehrere Monate hinweg. Am 10. Januar 1944 wurde sie von Dösen in die Landesanstalt Großschweidnitz (Oberlausitz) überführt. Laut Anstaltsleitung starb Frau Walther am 21. März 1944 an einer „Kreislaufschwäche“.

Großschweidnitz war ein Zentrum der sogenannten „wilden Euthanasie“, die ab 1943 im ganzen Deutschen Reich stattfand. Als psychisch krank und geistig behindert angesehene Menschen wurden dabei durch Medikamentenüberdosierungen, Nahrungseinschränkungen, Unterkühlung (z. B. durch Liegen am offenen Fenster) und Demobilisierung ums Leben gebracht. Milda Walther wurde 59 Jahre alt.

 

Quellen: Familienunterlagen