Familie Wydra

Rebecca, Simon und Osias Wydra

Jankel Simon Wydra wurde am 15. Oktober 1874 in Zaslav (Russland) geboren. Zusammen mit seinem Vater gründete er 1903 eine Rauchwarengroßhandlung in der Leipziger Ritterstraße 30/36. Im selben Jahr heiratete er Rebecca Epstein, geboren am 8. August 1882 in Brody (ehem. Galizien, heute Ukraine). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Osias – geboren am 12.09.1905 in Leipzig, Heinz – geboren am 24.10.1909 in Leipzig und Abraham, der jedoch bereits 1923 im Alter von sieben Jahren verstarb. Auch mehrere Geschwister, Neffen und Nichten von Simon Wydra lebten in Leipzig, die meisten waren Kaufleute oder Pelzhändler. Ein Teil der großen Familie konnte nach 1933 ins Ausland emigrieren und überlebte, viele aber wurden ermordet.

Heinz Wydra studierte in Leipzig, Berlin und Heidelberg Jura. Nach seiner Dissertation im Frühjahr 1933 fand er aufgrund der neu in Kraft getretenen Gesetzgebungen keine Anstellung und emigrierte im März 1933 mit einem Touristenvisum nach Palästina (heutiges Israel) in die Heimat seiner Verlobten.

Osias Wydra erhielt eine Ausbildung zum Kaufmann und arbeitete im Geschäft seines Vaters. Die Familie wohnte zuletzt in der Waldstraße 61. Durch die Beschränkung des Handels mit Russland ab 1933 wurde es auch für Simon Wydra schwierig, sein Geschäft in Deutschland weiter zu betreiben. Im Juni 1933 emigrierte er mit seiner Frau und Osias nach Zagreb (damals Agram) in Kroatien und baute dort ein neues Geschäft auf. Den Rest des Leipziger Unternehmens betreute sein Bruder Max Wydra, der mit seiner Familie auch in der Waldstraße 61 wohnte. Max Wydra musste im Dezember 1935 mit seiner Familie nach Frankreich emigrieren und überlebte dort den Zweiten Weltkrieg.

1935 heiratete Osias Minna Stein (geboren am 31.05.1912 in Leipzig), die Tochter eines Leipziger Geschäftspartners, welche im September des Jahres ebenfalls von Leipzig nach Zagreb gekommen war. 1938 besuchte Heinz Wydra mit seiner jungen Familie die Verwandten in Zagreb, um sie zu einem Umzug nach Palästina (heutiges Israel) zu bewegen. Sie hatten alle nötigen Papiere und Genehmigungen dabei, aber die Wydras, die nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem Konkurs in Zagreb Fuß gefasst hatten, wollten nicht wieder fliehen und neu in Israel beginnen. Zur damaligen Zeit war das Leben für Juden in Zagreb noch wenig eingeschränkt und die späteren politischen Entwicklungen waren nicht abzusehen.

Nach der deutschen Besetzung Jugoslawiens im April 1941 entstand der kroatische Ustascha-Staat, ein Vasallenstaat Deutschlands. Nach deutschem Vorbild wurden auch hier „Rassengesetze“ erlassen und Konzentrationslager eingerichtet. Das größte war das Konzentrationslager Jasenovac südlich von Zagreb. Hier wurde 1942 Simon Wydra im Alter von 68 Jahren ermordet. Der Verlauf des tödlichen Schicksals der anderen Familienmitglieder bleibt unbekannt. Durch eine ehemalige Mitarbeiterin der Familie Wydra in Zagreb ist nur bekannt, dass die ganze Familie deportiert wurde.

 

Recherchen: Familie Falke