Familie Bardfeld

Isaak Mayer Bardfeld betrieb zwei Molkereigeschäfte, eins in der Eutritzscher Straße 6 und eins in der Yorkstraße 9, wo die Familie zugleich wohnte. 1938 versuchte er in die Niederlande zu fliehen, wurde dabei jedoch festgenommen. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Seine Ehefrau Gittel wurde 1942 in das Ghetto nach Bełżyce deportiert und im selben Jahr im Konzentrationslager Majdanek ermordet. Zur Familie Bardfeld gehörten neun Kinder. Vier von ihnen, Henny Bardfeld, der Kaufmann Leopold Bardfeld, die Kontoristin Frieda Bardfeld und Regina Bardfeld mussten Zwangsarbeit leisten und wurden alle im Zeitraum von 1942 bis 1944 in den Konzentrationslagen Stutthof bzw. Majdanek ermordet. Im Jahre 1936 gelang dem 22-jährigen Josef Heinrich Bardfeld die Flucht nach Amsterdam. Zwei Jahre später konnte sein 21-jähriger Bruder Nathan Bardfeld nach England fliehen. Ebenso gelang es den Brüdern Moritz und Simon Bardfeld gemeinsam im Jahre 1936 nach Brasilien zu flüchten und zu überleben. Das Schicksal von Moses Abraham Bardfeld, geboren am 30.11.1910, bleibt bis heute ungeklärt. Der Enkel Peter Christian Bardfeld wurde ebenfalls mit nicht einmal drei Jahren am 10. Mai 1942 zunächst in das Ghetto Bełżyce deportiert und anschließend im Konzentrationslager Majdanek zusammen mit Leopold und Regina Bardfeld ermordet.

Der Ausgangspunkt des Projektes: Initiator dieses Stolpersteinprojektes ist der ehemalige Leipziger Rolf Kralovitz, der die Shoah als einziger seiner Familie überlebte. Er half Isaak Mayer Bardfeld bei seiner Flucht. In seinen Erinnerungen „ZehnNullNeunzig in Buchenwald“ schreibt er: „Es ist die Geschichte eines Mannes namens Bardfeld. Sein Sohn ging mit mir in dieselbe Klasse der jüdischen Schule in Leipzig. Leopolds etwas ältere Schwester Gina, damals 19 Jahre alt, zog mich im Mai 1942 ins Vertrauen und berichtete mir, dass ihr Vater seit fast 3 Jahren im Zimmer der Familie Bardfeld, das sich in einem von der Gestapo bewachten ‚Judenhaus‘ befand, versteckt hielt. […] Gina Bardfeld richtete an mich eine ungeheuerliche Bitte. Ich sollte ihren Vater nach Beuthen in Oberschlesien bringen. […] Ich, noch keine siebzehn Jahre alt, fand diesen Geheimauftrag zunächst sehr abenteuerlich und aufregend.“

Eltern:
1. Isaak Mayer Bardfeld, geboren am 12.06.1879, Flucht im November 1938 in die Niederlande, an der niederländischen Grenze festgenommen und Rückführung ins Reich, weiteres Schicksal unbekannt.
2. Gittel Bardfeld, geb. Steigmann, geboren am 10.06.1884, zunächst am 10. Mai 1942 nach Bełżyce deportiert und im gleichen Jahr im Konzentrationslager Majdanek (Lublin) ermordet.

Kinder:
Henny Bardfeld, geboren am 30.03.1919, musste Zwangsarbeit leisten und wurde am 21. Januar 1942 erst nach Riga, dann am 1. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Stutthof deportiert und dort im gleichen Jahr ermordet.
Leopold Bardfeld, geboren am 8.03.1926, musste Zwangsarbeit leisten und wurde am 10. Mai 1942 nach Bełżyce deportiert und 1942 im Konzentrationslager Majdanek (Lublin) ermordet.
Frieda Bardfeld, geboren am 8.09.1916, musste Zwangsarbeit leisten und wurde am 21. Januar 1942 nach Riga und am 1. Oktober 1944 nach Stutthof deportiert, wo sie im gleichen Jahr ermordet wurde.
Regina Bardfeld, geboren am 8.12.1920, musste Zwangsarbeit leisten, am 10. Mai 1942 nach Bełżyce deportiert und im gleichen Jahr im Konzentrationslager Majdanek (Lublin) ermordet.
Josef Heinrich Bardfeld, geboren am 7.05.1914, Flucht 1936 nach Amsterdam/Niederlande, überlebte.
Nathan Bardfeld, geboren am 14.12.1917, Flucht 1938 nach England, überlebte.
Moritz Bardfeld, geboren im Jahr 1912, Flucht 1936 nach Rio de Janeiro/Brasilien, überlebte.
Simon Bardfeld, geboren im Jahr 1910, Flucht 1936 gemeinsam mit Moritz Bardfeld nach Rio de Janeiro/Brasilien, überlebte.
Moses Abraham Bardfeld, geboren am 30.11.1910, weiteres Schicksal unbekannt, (vermutlich natürlicher Kindstod).

Enkel:
Peter Christian, geboren am 25.10.1939, am 10. Mai 1942 nach Bełżyce deportiert und 1942 im Konzentrationslager Majdanek (Lublin) ermordet.

 

Quellen: Rolf Kralovitz: ZehnNullNeunzig in Buchenwald, Köln 1996, S. 17; Ellen Bertram: Menschen ohne Grabstein, Leipzig 2011.

Recherchen: Erich-Zeigner-Haus e.V.