Paul Küstner

Paul Küstner wurde am 22.7.1896 in Giebichenstein (Halle) geboren. Er besuchte ab 1902 die Volksschule und dann die Thomasschule. 1911 schloss er sich der Wandervogelbewegung an. 1914 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst. An der Westfront stationiert, geriet er in englische Kriegsgefangenschaft und verbrachte drei Jahre auf der Insel Jersey. Nachdem er mit dem Ende des Krieges in die Schweiz kam und in Davos sein Abitur ablegen konnte, kehrte er 1919 nach Leipzig zurück. Er begann ein Studium als Diplom-Volkswirt an der Universität. 1922 trat er der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Er arbeitete in einer „staatlich anerkannten Lehranstalt für landwirtschaftliche Geschäfts- und Buchführung“. 1932 zog er in die damalige Ottostraße nach Leipzig –Lindenau.

1936 heiratete er Irmgard Dressler. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Zu dieser Zeit unterhielt er illegale Kontakte zum politischen Widerstand gegen das NS-Regime (u.a. mit Richard Lehmann, den er seit Anfang der 1920er Jahren kannte). Über ihn liefen Kontakte zur Exilleitung der KPD in Prag. Weiterhin war er 1935/36 in der „Roten Hilfe“ aktiv und unterstütze die Angehörigen von politischen Gefangenen.

Während des Krieges war Paul Küstner Mitglied in einer kommunistischen Widerstandsgruppe in Leipzig. Er beteiligte sich an der Herstellung von Flugblättern.

Im Rahmen der umfangreichen Verhaftungswelle nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20.7.1944 („Aktion Gitter“) wurde auch  Paul Küstner am 5.8.1944 verhaftet. Zu dieser Zeit war er Wehrmachtsangehöriger. Er wurde aus der Wehrmacht entlassen und der Gestapo übergeben. Paul Küstner musste geahnt haben, was das bedeutet und was ihn erwartet. Am 4.9.1944 verfasste er einen Abschiedsbrief an seine Frau: „Für mich ist bald alles vorbei, wenngleich mir noch schreckliches bevorsteht, aber ich will es ertragen, so tapfer ich kann bis zum Ende.“

Gegen ihn wurde nun  wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ ermittelt. Zu einem Prozess kam es nicht mehr, was die Hoffnungen auf Überleben in der Leipziger Untersuchungshaft schürte. Doch sieben Tage vor der Befreiung der Stadt durch die US-Armee verübte die Leipziger Gestapo ein letztes Massaker. Am 12. April 1945 gehörte Paul Küstner (48 Jahre) zu jenen 52 Gefangenen, die auf dem Truppenübungsplatz Lindenthal erschossen und in einem Bombentrichter verscharrt wurden.

 

Quelle:

- Dr. Dieter Kürschner: Was sich hinter Leipziger Straßennamen verbirgt: Paul-Küstner-Straße. In: Leipzigs Neue, 24.8.2007

- Carsten Vogt: Kommunistischer Widerstand in Leipzig, wiss. Arbeit, Universität Leipzig, 2001

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