Anna Rosenhain und ihre Söhne Heinz und Walter

Die jüdische Familie Rosenhain wohnte in der Scheffelstraße 20. Aufgrund der Baustellensituation liegen die Steine vor dem gegenüberliegenden Haus (Nr. 21) und weisen dort auf den historischen Ort hin.

Anna Rosenhain, geb. Laske am 13.10.1880 in Preußisch-Stargard, war mit Friedrich Rosenhain verheiratet. Sie betrieben im Erdgeschoss der Scheffelstr. 20 eine Buchdruckerei und Buchbinderei. Friedrich Rosenhain starb bereits 1929, woraufhin Anna Rosenhain das Geschäft weiterführte.

Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Alice (*6.12.1907), Heinz (*7.10.1913) und Walter (*19.9.1921). Alice war mit Hermann Eiger verheiratet. Sie wohnten u.a. in der Nordstr. 52, wo für die Eheleute Stolpersteine liegen.

Frau Rosenhain musste nach Ausbruch des Krieges in eines der sogenannten „Judenhäuser“ am Nordplatz 7 ziehen. Sie wurde mit dem ersten Transport von Leipzig aus am 21.1.1942 nach Riga deportiert und im dortigen Ghetto gefangen gehalten. Anfang 1943 errichteten die Nazis im Norden Rigas das Konzentrationslager Kaiserwald. Zu den ersten Gefangenen zählten die noch lebenden Menschen des Ghettos in Riga. Die Inhaftierten mussten dort Zwangsarbeit für deutsche Großfirmen leisten. Anna Neumann (63 Jahre) kam unter diesen Bedingungen 1943 im KZ Kaiserwald ums Leben.

Heinz Rosenhain ging vermutlich nach Kriegsausbruch mit seiner Frau Anni (geb. Neumann, Jg. 1916) in ein Lager der Hachschara-Bewegung (dt.: „Tauglichmachung“), in das Landwerk Neuendorf bei Fürstenwalde. Dort sollten Juden auf ein Leben in Palästina u.a. mit einer Berufsausbildung vorbereitet werden. Doch eine Flucht war nicht mehr möglich. Alle diese jüdischen Selbsthilfelager wurden 1943 geschlossen und die Menschen meist nach Auschwitz deportiert. Heinz und seine Frau wurden am 29. April 1943 von Berlin nach Auschwitz gebracht. Anni Rosenhain (27 Jahre) kam weiter nach Ravensbrück und wurde 1945 aus dem Außenlager Malchow befreit. Sie lebte später unter dem Namen Ann Newman in New York. Heinz Rosenhain blieb Arbeitssklave in Auschwitz. Mit der heranrückenden Roten Armee wurde am 18. Januar 1945 begonnen, die Lager von Auschwitz zu „evakuieren“. Das hieß: zehntausende Menschen wurden auf Todesmärsche Richtung Westen getrieben. Es ist anzunehmen, dass Heinz Rosenhain dazugehörte, denn er wurde am 25. Januar 1945 im KZ Mauthausen registriert. Eine Woche vor der Befreiung des Lagers kam Heinz Rosenhain (31 Jahre) am 29. April 1945 ums Leben.

Sein Bruder Walter ging vermutlich mit seiner Schwester Alice in das jüdische Selbsthilfelager „Am grünen Weg“ nach Paderborn. Er kann dort nur kurze Zeit geblieben sein, denn er zählte zu den jüdischen Menschen, die am 21. Januar 1942 von Leipzig nach Riga deportiert worden sind. Auch er kam 1943 in das KZ Kaiserwald und musste in dem Außenlager Riga-Strasdenhof für den deutschen Großkonzern AEG Zwangsarbeit leisten. Mit dem Vorrücken der Roten Armee in das Baltikum kamen viele Gefangene im September 1944 in das KZ Stutthof nahe Danzig. Im März 1945 kam Walter Rosenhain (23 Jahre) dort ums Leben.

 

Paten: Familie Schmitz