Familie Rafe

Die Familie Rafe zählte vierzehn Familienmitglieder: Großmutter Ester Jocha Else (geborene Lustigmann), Großvater Boruch, deren Kinder Frieda Bella (verheiratet mit Yechiel Herc), Moses Moritz (verheiratet mit Helen, geborene Heinick), Hermann Bernhardt und Albert Aron (verheiratet mit Sarah Sophie, geborene Mokran) sowie die Enkel Horst, Siegfried, Carl Heinz, Clara und Rosa Lea.

Die Großeltern wohnten mit ihren vier Kindern in der Hainstraße 31. Später gründete Frieda Bella Rafe gleich nebenan zusammen mit ihrem Ehemann Yechiel Herc am Brühl 2 ihre eigene Familie mit den Töchtern Clara und Rosa Lea. Moses Moritz Rafe heiratete Helen Heinick und zog mit den Kindern Carl Heinz und Siegfried Rafe in die Eberhardtstraße 11. Albert Aron und Sarah Sophie zogen mit ihrem Sohn Horst Rafe in die Wahrenerstraße 19. Bis auf Boruch, welcher Zigarettenfabrikant war, arbeiteten alle Väter der Familie zusammen als Kirschner.

Nach der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 verstarb Boruch aufgrund der harten körperlichen Arbeit an den Folgen eines Herzinfarktes. Der Rest der Familie zerstreute sich zur Zeit des II. Weltkrieges über ganz Europa. Moses Moritz versuchte mit seiner Frau und seinen Kindern zu fliehen. Yechiel, Frieda und ihre Töchter wurden nach Polen abgeschoben und nach dem Ausbruch des Krieges in das Ghetto Lodz deportiert. Hermann Bernhardt gelang die Flucht nach Palästina, doch Albert und Sarah wurden in Deutschland festgenommen. Horst wurde bei seinem Fluchtversuch nach Belgien gefasst. Ester wurde vorerst in das Getto Theresienstadt deportiert, wo sie 1942 verstarb. Moses Moritz wurde in Belgien gefasst und nach Auschwitz deportiert, wo er den Tod fand. Seiner Frau Helen und seinen Kinder gelang jedoch die Flucht über die Niederlande in die USA. Yechiel, Frieda, Rosa Lea und Clara wurden im späteren Verlauf des Krieges vom Ghetto Lodz aus nach Auschwitz gebracht. Yechiel wurde dort das letzte Mal gesehen. Vermutlich wurde er ermordet. Rosa Lea erkrankte in Auschwitz an "Typhus" und wurde in das Krankenlager verlegt, was einem Todesurteil gleichkam. Frieda und Clara wurden von Auschwitz aus nach Bergen Belsen verlegt. Frieda Bella starb wenige Wochen vor der Befreiung ebenfalls an "Typhus". Sarah Sophie wurde von Magdeburg aus nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Aron Albert Rafe wurde ab 1939 mehrfach interniert und von der Haftanstalt Groß Strehlitz 1941 aus zu einem unbekannten Ziel deportiert. Seine Ermordung ist sehr wahrscheinlich. Horst Rafe wurde bei einem Fluchtversuch nahe Aachen festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Von dort aus wurde er in das Konzentrationslager Dachau und anschließend nach Buchenwald deportiert, bevor er in Auschwitz getötet wurde. Gerade einmal fünf Mitglieder der Familie Rafe überlebten den Holocaust. Die Enkelin von Hermann Rafe lebt heute in Israel, wo sie nach der Hochzeit den Namen ihres Mannes annahm. Die Familie Ringel lebt nun in Amerika.

Um alle Mitglieder im Sinne einer Familienzusammenführung nach den Schrecken der Naziverfolgung wieder zu vereinen, wurden die 14 Steine unter dem Beisein der Familienangehörigen und Nachfahren der jüdischen Familie Rafe aus Leipzig am 19. September 2016 vor dem ehemaligen Wohnhaus am Brühl 2/Hainstraße 31 verlegt.

 

Pate: Erich-Zeigner-Haus e.V.