Walter Handschuh

Walter Arthur Handschuh wurde am 1.3.1895 in Leipzig geboren. Von Geburt an waren seine geistigen Fähigkeiten eingeschränkt. Er lernte nur bedingt Schreiben und Lesen. Im Erwachsenenalter kümmerte sich seine Schwester um ihn. So wohnte er bei ihr in der Holzhäuser Straße 62. Walter Handschuh konnte diverse Hilfsarbeiten verrichten, wobei ihm Arbeitgeber eine unauffällige, gute Führung bescheinigten.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde Herr Handschuh 1936 zwangssterilisiert. Am 14.3.1939 wurde er in die Städtische Arbeitsanstalt in die Riebeckstraße eingewiesen. Seine Schwester erreichte, dass ihr Bruder jeden zweiten Sonntag zu ihr kommen konnte. Im August 1939 entmündigte das Amtsgericht Leipzig ihn und er wurde an den Bezirksfürsorgeverband Leipzig „zur Verwahrung überwiesen“. Am 19.12.1940 kam er in die Landesheil- und Pflegeanstalt Zschadraß.

Am 12.2.1941 erfolgte der Transport in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein in einem extra dafür umgebauten grauen fensterlosen Bus. Walter Handschuh (45 Jahre) wurde noch am selben Tag mittels Gas ermordet.

Vorher erfolgte durch die anwesenden Ärzte eine Scheinuntersuchung, die nur dem Zweck diente, eine glaubwürdige Todesursache zu erfinden. In der Gaskammer waren zur Tarnung Brauseköpfe an der Decke. Die Opfer glaubten, es ginge zum Duschen, da man sogar kleine Seifenstücke verteilte.

Die offiziellen Sterbedaten, die man den Angehörigen übermittelte, manipulierten die Nationalsozialisten. Der systematische Mord an kranken und eingeschränkten Menschen könnte für die Bevölkerung offensichtlich werden, wenn bei vielen Menschen das gleiche Todesdatum erscheint. Gleichzeitig kassierten die Nazis noch länger das Pflegegeld. Im Falle von Walter Handschuh gab man den 26.2.1941 als Todestag an.

Die Mediengruppe des Vereins zur Wiedereingliederung psychosozial geschädigter Menschen e.V. auf dem Gutshof Stötteritz recherchierte das Schicksal von Walter Handschuh und dokumentierte filmisch den Prozess von der Idee über die Recherchen, der Herstellung des Erinnerungssteins bis zu seiner Verlegung.

 

Pate: Verein zur Wiedereingliederung psychosozial geschädigter Menschen e.V.