Sally Forst

Sally Forst wurde am 15. Mai 1899 in Berlin geboren. Er hatte eine Schwester. Die Familie stammte aus Galizien, so dass Sally Forst nach dem 1. Weltkrieg die polnische Staatszugehörigkeit zuerkannt bekam. Sein Vater starb bereits ca. 1921. Nach seiner Militärzeit lebte er vermutlich bei seiner Mutter Rosa in der Eisenbahnstraße 14. Im Jahr 1931 heiratete er die 1901 in Leipzig geborene Nichtjüdin Martha Philipp. Im selben Jahr wurde ihre Tochter Helga geboren. Sally Forst war Pelzhändler und besaß am Brühl ein eigenes Geschäft. Nach der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten 1933 wurde die Ehe entsprechend der nun herrschenden rassistischen Stigmatisierung der Menschen als sogenannte „Mischehe“ behandelt. Das bedeutete u.a., dass das Geschäft von Sally Forst boykottiert wurde. Im Zuge der Pogromnacht zerstörten die Nazis am 10.11.1938 das Geschäft. Sally Forst hatte mit seiner Familie, die durch ihn ebenfalls die polnische Staatsangehörigkeit besaß, nur einen befristeten Aufenthalt in Deutschland bis zum 9.5.1939. Sally Forst forcierte eine Flucht in die USA. Dort lebten Verwandte, die sich um die nötigen Papiere kümmerten.

Da eine Ausreise kurz bevor stand, wurde am 8.5. 1939 über die Eheleute eine „Sicherungsanordnung“ erlassen. Das bedeutete, dass die nationalsozialistische Verwaltung der Familie eine freie Verfügung über ihr eigenes Vermögen entzogen hatte. Es konnten also keine eventuellen Ersparnisse mitgenommen werden.

Seinem Schwiegervater Martin Philipp ist es zu verdanken, dass Sally Forst eine Fristverlängerung um vier Wochen erhielt. Am 25.5.1939 wurde der Familie die Ausweisung aus Deutschland zum 20.6.1939 mitgeteilt. Während dieser Zeit versuchte Sally nach Polen zu gelangen, wurde an der polnischen Grenze aber abgewiesen. Er kehrte am 14.6.1939 nach Leipzig zurück, als seine Frau und seine Tochter sich bei einem Neffen zum Geburtstag aufhielten. Wieder zu Hause fanden sie den Ehemann und Vater erhängt in der Toilette ihrer Wohnung in der Schmidt-Rühl-Straße 5b. Von den Nationalsozialisten derart bedrängt sah Sally Forst (40 Jahre) keinen anderen Ausweg, um seine Familie zu retten. In seinem verzweifelten Abschiedsbrief schrieb er: „Liebste Martl! Ich kann nicht ohne Euch leben, die Qual ist zu groß. Pass gut auf unsre Helga auf. Für alles Dank. Dein Sally.“ Sechs Tage später kamen die so dringend benötigten Ausreisepapiere für die Familie!!!

Sallys Schwiegereltern nahmen nun Tochter Helga zu sich und verreisten mit ihr aufs Land, um sie vor einer einsetzenden Verfolgung zu schützen. Am 13.7.1939 kam es zur Aufhebung der „Sicherungsanordnung“ für die Familie aufgrund des Todes von Sally.

Martha Forst heiratete den Verleger Otto Wehnert, der ebenfalls in der Schmidt-Rühl-Straße 5b wohnte. Dieser adoptierte Helga als seine Tochter, womit sie den aufgezwungenen Nazi-Status eines "Mischling" verlor. Etwa 1942 zogen sie nach Krögelstein in Franken.

Sallys Mutter Rosa und seine Schwester Martha wurden im besetzten Polen ermordet.

 

Recherchen: Konrad Gottlieb mit Hilfe von Dr. Gabriela Förster und Jörg Philipp

Paten: Familie Gottlieb, Dr. Gabriela Förster, Sabine Leidner