Familie Rosenthal

Jakob Rosenthal wurde am 06. Februar 1882 in Siegburg, Kreis Siegen geboren. Sein Beruf wird als Kaufmann der Textilbranche bzw. Händler in den unterschiedlichen Archivalien angegeben. Er lebte zusammen mit seiner Frau Johanna und seiner Tochter Ingeborg in der Konstantinstraße 6. Später musste die Familie mehrmals in sogenannte Judenhäuser, z. B. Humboldtstraße 13 und Färberstraße 11 umziehen.
Das Ehepaar Rosenthal bemühte sich vergebens um eine Ausreise aus Deutschland. Jakob Rosenthal verstarb 4. November 1942 im Israelitischen Krankenhaus Leipzig, das sich nach der Zwangsauflösung und späteren Beschlagnahmung auf dem Gelände der Heil- und Pflegeanstalt Dösen befand. Es ist davon auszugehen, dass die immer schlechter werdende medizinische Versorgung der jüdischen Patienten maßgeblich zu seinem Tod beigetragen hat. Die Eitingon-Stiftung, Träger des Krankenhauses wurde am 19. September 1941 aufgelöst. Damit war dem kleinen Krankenhaus mit nur 26 Betten jede Finanzierungsgrundlage entzogen. Es kommt erschwerend hinzu, dass Ärzte und Pfleger ab Mai 1942 deportiert worden. Jakob Rosenthal wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Berliner Straße, vermutlich Abteilung III beerdigt. Leider kann ihm keine Grabstelle zugewiesen werden. Von einer ordnungsgemäßen Beerdigung und Verzeichnung der Grabstellen in dieser Zeit kann nicht mehr ausgegangen werden.

Seine Ehefrau Johanna Rosenthal stammte ursprünglich aus Halle/Saale. Sie kam dort am 22. März 1889 als Johanna Wien zur Welt. Sie war von Beruf Modistin.
Ihre letzte Adresse wird mit der Färberstraße 11, einem jüdischen Pflegeheim, angegeben. Bis zum Tode ihres Ehemanns wohnte sie ebenfalls in der Humboldtstraße 13. Am 2. Dezember 1942 muss der Umzug in die Färberstraße erfolgt sein. Am 17. Februar 1943 wurden die letzten Bewohner der Färberstraße 11 deportiert, darunter auch Johanna Rosenthal. Um das Ziel und die Folgen der Deportation zu verschleiern, musste Johanna noch einen sogenannten „H“-Vertrag, einen Heimeinkaufsvertrag am 10. Februar 1943 abschließen. Dieser sollte die Unterbringung, Verpflegung und Krankenversorgung im „Altersghetto“ Theresienstadt gewährleisten. Der Vertrag sollte am 17. Februar 1943 beginnen. An diesem Tag erfolgte die Deportation zuerst nach Berlin. Die Leipziger Juden wurden am 16. Februar 1943 in die 32. Volksschule in der Yorckstraße 2/4 gebracht, die auch bei den vorherigen Deportationen als Sammellager gedient hatte. Am 26. Februar 1943 wurde in Berlin der 30. Osttransport mit insgesamt 1100 Menschen zusammengestellt. Unter ihnen muss sich auch Johanna Rosenthal befunden haben. Sie steht auf der Liste als Nummer 154. Der Transport Johanna Rosenthals kam am 27. Februar 1943 nicht in Theresienstadt sondern in Auschwitz an. In Auschwitz verlieren sich ihre Spuren. Für Johanna Rosenthal konnte niemals ein Grabstein gesetzt werden.

Ingeborg Rosenthal überlebte in Palästina die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Ein Eintrag im Geburtenbuch des Standesamtes Leipzig vom 21. Dezember 1920 gibt Auskunft darüber, dass Ingeborg am 19. Dezember 1920 als Tochter von Jakob und Johanna geboren worden ist. Ingeborg Rosenthal ging in Leipzig zur Schule, bevor sie mit ca. 15 Jahren nach Berlin ging, um sich auf die Flucht nach Palästina vorzubereiten. Vielleicht war Ingeborg eines der etwa 4.500 Kinder und Jugendlichen, die in den Jahren 1932 bis 1941 im Rahmen der Jugend-Alija Deutschland verließen. Denkbar wäre auch, dass sie die Möglichkeit hatte, in einem jüdischen Lehrgut bzw. in einer Werkstatt eine berufliche Ausbildung zu erhalten. Nach ihrer Flucht nach Palästina vermutlich im Jahre 1936 hielt sich Ingeborg Rosenthal eine Zeit lang bei einem Onkel, dem Bruder Johannas, auf. Später heiratete sie Erwin Bensinger und zog mit ihm in das Dorf Beit Yitzchak, welches von jüdischen Einwanderern gegründet worden war. Im Dorf Beit Yitzchak kamen ihre drei Töchter Shlomit, Yael und Ruth zur Welt.

Recherchen, Patin: Leonie Lenz (Kant-Gymnasium)