Hanna und Baruch Kalter

Baruch Kalter stammt aus der Stadt Lancut (Galizien), in welcher er am 27. August 1866 geboren wurde. Seine spätere Lebensgefährtin und Ehefrau Hanna erblickte am 20. April in Tarnow im selben Jahr das Licht der Welt. Tarnow war auch der Ort, in welchem sich die beiden kennen und lieben lernten. Baruch wird von seiner Familie als großer, weißbärtiger Mann mit einer imposanten Gestalt und einem starken Glauben beschrieben. Seine Religiosität zeichnete sich auch durch seine Berufung als Kohen, einem jüdischen Priester, aus. Neben seiner Tätigkeit als Priester war er als Jutesackverkäufer beschäftigt und verkaufte seine Ware an Lokale und betrieb mit ihnen Handel. Hanna wird von ihrer Familie als kleine liebevolle Großmutter beschrieben, die ihre Liebsten mit großartigen Gebäcken verwöhnte. Das freundliche liebevolle Ehepaar Kalter war sehr traditionell und unterstützte aktiv die jüdische Gemeinschaft. Sie folgten einem ihrer Söhne 1912 nach Leipzig. Baruch traf am 21. November 1912 hier in Leipzig ein. Hanna folgte ihm am 21. Februar 1913 und zusammen zogen sie in die Lotzingstraße 11.
Auch hier in Leipzig zeigten sie eine enge Verbundenheit zu ihrer Religion durch das Feiern ihrer wöchentlichen Rituale. Gemeinsam mit ihrer gesamten Familie feierten sie hier an diesem Ort den Sabbat, den Ruhetag der Woche. Die Familie besuchte die Synagoge und traf sich danach in der Lortzingstraße 11, um den Kiddusch, den Segenspruch, mit welchem der Sabbat eingeleitet wird, zu sprechen und anschließend feierlich zu Essen. Zum Abschluss des Tages spazierte man gemeinsam durch das Rosenthal.
25 Jahre später jedoch wurde das Glück der Familie Kalter gebrochen. Die Massenabschiebung im Jahre 1938 brachte auch ihnen die Tragödie, die so viele Juden ereilte. Den Anlass für dieses schlimme Ereignis gaben die „Dokumente über die Verfolgung der jüdischen Bürger“, durch welche die Polnische Regierung allen Juden, die nicht auf polnischen Gebieten lebten, die Staatsbürgerschaft entzog, um ihre Rückreise nach Polen zu verhindern und sich somit vieler Juden zu entledigen. Die Reaktion Deutschlands folgte am 28.Oktober im Jahre 1938. Man verhaftete Juden und schaffte sie in Sammeltransporten an die polnische Grenze. So auch Hanna und Baruch Kalter am Morgen des 28. Oktober 1938. Am Hauptbahnhof mussten sie in einen Zug steigen, der sie nach Beuthen an die polnische Grenze brachte. Von dort aus mussten sie eine weite Reise nach Krakau und schließlich Tarnow durchstehen. Dort kamen sie dann in das im Mai 1941 eingerichtete Ghetto Tarnow, in welchem ca. 40000 Juden untergebracht wurden. Später sollte das Ghetto innerhalb eines Jahres, bis zum September 1943 aufgelöst werden. Die Menschen wurden ermordet oder in andere Lager verschleppt. In dieser Zeit nahm auch Baruchs Leben ein grausames Ende. Die Hinterlassenen berichten, dass er während der Auflösung des Ghettos auf einem Friedhof ermordet wurde und sich grausamer weise sein eigenes Grab ausheben musste. Er war einer der über 10000 Juden, denen auf diesem Friedhof das Leben genommen wurde. Hanna Kalter fand nach Aussage der Familie den Tod durch Alter und Krankheit ebenfalls in dieser Zeit.

Pate: Leibnitz Gymnasium Leipzig