Familie Repper

David Repper wurde am 23.1.1892 in Przemyśl geboren. Er lebte seit 1911 in Leipzig. Hier lernte er Sara Kosiner, geb. am 7.11.1889 in Brody, kennen. Beide heirateten im Oktober 1915 in Leipzig. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Margot, geb. am 24.4.1916, Wolfgang, geb. am 16.5.1917, Hartwig, geb. am 1.3.1919 und Viktoria (Witta), geb. am 16.1.1922. Gerade ein Jahr geworden starb Wolfgang bereits im Jahr 1918.

David Repper war Lebensmittelhändler und das Auskommen der Familie schien in den 1920er Jahren ausreichend. Die Kinder besuchten die Reinhold Teichmann Privatschule in der benachbarten Gellertstraße (heute Littstraße). Hartwig ging nach der 4. Klasse auf die Höhere Israelitische Schule.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten geriet das Geschäft in wirtschaftliche Not. David Repper ging im Dezember 1933 mit seiner Familie nach Holland, um sich in der Nähe von Amsterdam eine neue Existenz aufzubauen, was allerdings nicht gelang. Die Ausreise war jedoch ein folgenschwerer Fehler, denn damit verfiel das Bleiberecht in Deutschland und die Familie befand sich nun auf der Flucht ohne jemals wieder irgendwo anzukommen. Kurz vor Ablauf seiner bis November 1934 befristeten Aufenthaltsgenehmigung kam David Repper ohne seine Familie nach Leipzig zurück. Es folgte ein zermürbender Kampf mit den nationalsozialistischen Behörden um einen Aufenthalt in Leipzig. Nachdem es auch seiner Familie Anfang 1935 gelungen war, wieder nach Leipzig zu kommen, wollte David Repper Zeit gewinnen, um die Flucht der Familie nach Palästina zu organisieren. Doch das brauchte auch Geld. In seiner Not ließ sich David Repper auf „Geschäfte“ ein, die ihm im Oktober 1935 eine Anklage wegen „versuchter Erpressung“ einbrachten. Er wurde zu 5 Monaten Haft verurteilt. Damit war die Abschiebung nicht mehr aufzuhalten. Trotz aller Interventionen der Israelitischen Gemeinde und des polnischen Konsulats wurden die Eltern mit den beiden Töchtern im Frühjahr 1936 nach Polen ausgewiesen und sie kamen in Katowice unter. Einzig für Hartwig bestand noch eine Chance. Seit seiner Rückkehr nach Leipzig im Februar 1935 machte er eine Ausbildung als Feinmechaniker. Mit Unterstützung der Israelitischen Religionsgemeinde und Verwandten in England gelang Hartwig im Januar 1939 die Flucht nach London.

Im Frühjahr 1939 schrieb Sara Repper an ihren 20-jährigen Sohn: „Du wirst es mit Gottes Hilfe schaffen und ein Glück ist’s, daß Du aus Deutschland raus bist, wieviele wären jetzt schon froh wenigstens nach Polen zu können. Du wirst ja wahrscheinlich noch mehr hören als wir auf dem Kuhdorf, was dort wieder mit den Juden losgeht. Der liebe Gott möge schon endlich ein Einsehen haben.“

Doch es kam noch schlimmer. Nach dem deutschen Überfall auf Polen ging die Familie nach Krakau. Dort befanden sich1939/40 sehr viele jüdische Menschen, so dass die Nazis im Sommer 1940 angefangen haben, Menschen weiter nach Osten zwangsumzusiedeln. Auch die Familie Repper sollte im Dezember 1940 Krakau verlassen. Die Trennung der Familie und die prekäre Perspektive ließ Sara Repper immer verzweifelter werden. Schwer erkrankt auf Grund der ausweglosen Lage befand sich sie sich im jüdischen Krankenhaus von Krakau. Sara Repper (51 Jahre) starb am 2. Januar 1941. Während sich David Repper und seine Tochter Witta noch verstecken konnten, wurde Margot am 9. Dezember 1940 nach Piaski (bei Lubolin) gebracht. Die Spuren von David Repper (49 Jahre) verlieren sich im Jahr 1941. Witta (20 Jahre) wurde am 11.10.1942 in Auschwitz ermordet, ihre Schwester Margot (26 Jahre) wurde ebenfalls nach Auschwitz deportiert und am 11.3.1943 umgebracht.

Recherchen: Sarah Moosdorf, Linda Lohse, Henriette Posselt, Hanna Hieronymus, Marvin Kahl (Rahn-Gymnasium)

Pate: Rahn-Gymnasium

Stolpersteinverlegung am 21. Juni 2018 um 13.45 Uhr in der Kreuzstraße 10.