Nathan Adolf Bickart

Adolf Bickart wurde am 24.11.1872 in Eichstetten geboren. Seit 1901 lebte er in Leipzig. Zusammen mit seinem älteren Bruder Camill gründete er die Lederwaren-Großhandlung „Benditt & Co“. Nach dem Tod von Camill Bickart im Jahr 1926 führte er das Geschäft in der Nikolaistraße mit seinem Neffen Ludwig weiter.

Anfang der 1930er Jahre ließ Adolf Bickart das Haus in der Kleiststraße 111 bauen. Doch noch bevor er mit seiner Frau Fanni einziehen konnte, starb sie im Jahr 1934.

Ihr im Jahr 1906 geborener Sohn Walter arbeitete zunächst ebenfalls im väterlichen Familienbetrieb. Er verließ jedoch 1926 Leipzig und ging nach Paris, kurz vor Kriegsausbruch nach Gibraltar und weiter nach Tanger (Marokko). Somit zog Adolf Bickart im Dezember 1934 allein in das neue Haus.

Nachdem sich die Situation jüdischer Menschen nach den Novemberpogromen 1938 dramatisch verschlechterte, forcierte auch Adolf Bickart eine Ausreise in die USA. Doch mit einer sehr hohen „Wartenummer“ und ohne verwandtschaftliche Beziehungen dahin, hatte er keine Chance. Auch die Versuche seines Sohnes, ihn nach Tanger zu holen, scheiterten.

Ein makabrer Verwaltungsakt ereignete sich Ende 1938. Das Standesamt änderte seine Geburtsurkunde. Sein Rufname „Adolf“ wurde gestrichen und er durfte sich nur noch „Nathan“ nennen.

Nach Kriegsbeginn drangsalierten mehrere Verhaftungswellen die jüdische Bevölkerung. So wurde auch Adolf Bickart im Rahmen einer „Sonderaktion“ am 5. Oktober 1939 mit ca. 50 weiteren jüdischen Frauen und Männern für zehn Tage inhaftiert.

Ende 1939 deklarierte die nationalsozialistische Verwaltung das Haus in der Kleiststraße zu einem der sogenannten „Judenhäuser“. Wenig später wurde das Haus von der Stadt Leipzig enteignet und 1941 zog der eifrige Parteigänger der Nazis und Stadtkämmerer Kurt Lisso ein. Adolf Bickart musste nun in einem der anderen „Häuser“ im Waldstraßenviertel unterkommen. Mittlerweile erkrankt befand er sich Anfang 1943 in den Resten des jüdischen Krankenhauses auf dem Gelände der Heil- und Pflegeanstalt in Leipzig-Dösen. Vermutlich im Zuge der Auflösung der Station wurde er am 17. Februar 1943 in das Jüdische Krankenhaus und gleichzeitige Sammellager nach Berlin –Iranische Straße - gebracht. Mit dem 91. Alterstransport deportierte man ihn von dort am 16. Juni 1943 nach Theresienstadt. Adolf Bickart (72 Jahre) erlebte die Befreiung des Ghettos im Mai 1945. Schwergezeichnet kam er nach Leipzig zurück und starb am 20. September 1945 an den Folgen des Ghettoaufenthaltes.

Paten: Monika Hirsch, Hermann Schein, Anwohner der Kleiststraße