Bernhard Freiherr von Hoyningen-Huene

Die Familie Hoyningen-Huene ist ein deutsch-baltisches Adelsgeschlecht. Bernhard Alexander Leon kam als Jüngster von sechs Geschwistern am 18.03.1883 in St. Petersburg zur Welt. Nach dem Abitur studierte er Jura und fand nach dem Staatsexamen 1906 eine erste Anstellung in Riga, wo er auch promovierte. Im Jahr 1908 wird Bernhard von Hoyningen-Huene Sekretär und Referent beim Gouverneur in der Hauptstadt Livlands. Diese Stelle verschaffte ihm die Liquidität zur Heirat von Irmgard von Samson-Himmelsstjerna. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Im Jahr 1909 wechselte Bernhard von Hoyningen-Huene als Direktionsrat an die "Livländische Adelige Güter-Kreditsozietät" in Riga, die die Aufgabe hatte, Gutbesitzern den finanziellen Rückhalt zu sichern. Nach dem I. Weltkrieg und der Enteignung der adligen Güter durch den neuen Staat Lettland verlor Freiherr von Hoyningen-Huene seine Lebensgrundlage im Baltikum. Die Familie siedelte nach Tübingen über. Bis 1921 war Bernhard von Hoyningen-Huene zwar noch mit der Abwicklung der Kreditanstalt beschäftigt, dann wurde er aber arbeitslos. Erst nach monatelanger Suche fand er einen bescheidenen Bankposten in Heidelberg. Die prekäre Perspektive löste 1927 einen ersten „Nervenzusammenbruch“ aus. Es folgte die Kündigung der Bank.

Im Jahr 1928 zog die Familie nach Leipzig. Hier wurde Bernhard von Hoyningen-Huene Mitarbeiter beim Bezirkskirchenamtsrat Leipzig. Kurze Zeit später ernannte man ihn zum Kirchenrechtsrat. Als Jurist und Rechtsanwalt musste er alle rechtlichen Belange der Kirche nach außen vertreten. So verwaltete er z.B. kirchliche Immobilien. Weiterhin agierte Bernhard von Hoyningen-Huene als Finanzberater und Anwalt. In Leipzig hatte er eine neue Heimat gefunden und beteiligte sich rege am gesellschaftlichen Leben der Stadt. Im Herbst 1931 kam es jedoch zu einem zweiten „Nervenzusammenbruch“, der eine längere Krankheit mit sich brachte. Die politischen Auseinandersetzungen Anfang der 1930er Jahre verfestigten seine pessimistische Einstellung und mit der Machtübernahme der Nazis 1933 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand immer mehr. Durch einen NS-konformen Nachfolger aus dem Amt gedrängt, fühlte er sich erneut beruflich und gesellschaftlich gescheitert. Die Eheleute gingen zunächst nach Böhlitz-Ehrenberg und bezogen 1935 zurück nach Leipzig in der Elisabethallee 36 (heute: Erich-Zeigner-Allee) eine Wohnung. Bernhard von Hoyningen-Huene befand sich in fortlaufender ärztlicher Behandlung und litt an Amtsverlust, Entfremdung, Depressionen, Ängsten und Verfolgungsvorstellungen.

Im Februar 1937 erfolgte die Einweisung in die Landesheil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen. Im Dezember 1939 begann seine permanente Verlegung in andere Anstalten, um den gezielten Mord des NS-„Euthanasie“-Programms „T4“ zu verschleiern. Silvester 1939 kam Bernhard von Hoyningen-Huene nach Chemnitz, am 29.05.1940 in die Anstalt Hubertusburg in Wermsdorf und am 28.08.1940 nach Großschweidnitz. Von hier aus wurde Bernhard von Hoyningen-Huene (57 Jahre) am 20.09.1940 in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein gebracht und ermordet.

Recherchen: Helmut Stein
Pate: Bündnis gegen Depression Leipzig e.V.