Mania und Josef Weißblüth, Samuel Hundert

In der Zeit zwischen 1928 und 1933 wirkte in Leipzig neben zahlreichen anderen politischen Gruppierungen die sogenannte Linke Opposition, kurz LO, innerhalb der KPD. Die LO stand in direktem Kontakt zu dem im Exil lebenden Leo Trotzki und erhielt Instruktionen von ihm. Diese gelangten, von Dresdner Bergsteigern organisiert, von Reichenberg (Liberec) über die deutsch-tschechische Grenze. Die Leipziger LO zählte 100 bis 150 Mitglieder und Sympathisanten. Dazu gehörten auch Samuel Hundert und sein Bruder Aria Jehuda.

Samuel Hundert wurde am 14. Mai 1902 in Stanislau geboren. Etwa 1927 kam er über Dresden nach Leipzig. Seine ältere Schwester Mania (geb. 20. Oktober 1897 in Stanislau) lebte bereits mit ihrem Mann Josef Weißblüth (geb. 14. Oktober 1897 in Bohorodczany) hier. Alle drei wohnten in der damaligen Melchiorstraße 12, eine Verbindungsstraße zwischen Eisenbahnstraße und Rabet.

Samuel war Inhaber der Textilwarenfirma „Hundert & Co“ in der Hainstraße. Am 15. Juli 1933 floh er aus Deutschland und emigrierte nach Paris. Er engagierte sich in der im Oktober 1933 aus der LO/KPD hervorgegangenen Internationale Kommunisten Deutschlands (IKD) weiter. Aus existentiellen Gründen verließ er etwa 1938 Frankreich und ging zurück in seine Heimatstadt Stanislau. Hier waren bereits seine Schwester und sein Schwager. Mania und Josef Weißblüth wurden 1935 aus Deutschland ausgewiesen und nach Polen abgeschoben.

Stanislau wurde im September 1939 von sowjetischen Truppen besetzt (Hitler-Stalin-Pakt). Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begannen deutsche Mordkommandos und ihre Verbündeten mit Massenerschießungen und der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Stanislau. So wurden allein am 12. Oktober 1941 etwa 10.000 bis 12.000 Menschen erschossen und in Massengräbern verscharrt. Im Dezember 1941 errichteten die Nazis ein Ghetto in Stanislau, das im Januar 1943 liquidiert wurde. Bei diesem Massenmord wurden Samuel Hundert (39 Jahre), Mania (44 Jahre) und Josef Weißblüth (44 Jahre) wahrscheinlich 1941 ermordet.*

*Ellen Bertram: Leipziger Opfer der Shoah. Leipzig, 2015

Recherchen und Pate: Uwe Herbig.