Leo Singer

Leo Singer wurde am 27. August 1910 in Leipzig geboren. In der Funkenburgstraße 27 befand sich sein Elternhaus. Seine Mutter starb bereits fünf Jahre nach seiner Geburt, sein Vater im Jahr 1934. Die vier Jahre jüngere Schwester von Leo Singer konnte sich Ende 1938 in die Schweiz retten.

Leo Singer war Kaufmann und als Handelsvertreter (damals „Wandergewerbe“) in Mitteldeutschland unterwegs. Ende 1936 geriet er mit der Polizei in Konflikt, da er unangemeldet und ohne „Wandergewerbeschein“ einige Wochen in Erfurt wohnte. In diesem Zusammenhang offenbart die Polizeiakte von Leo Singer die alltägliche Diskriminierung jüdischer Menschen. Nach der Untersuchung seiner persönlichen Habe wurde die mögliche Beziehung zu einer nichtjüdischen Frau bekannt. Durch die darauffolgenden Nachforschungen der Polizei wegen „Rassenschande“ ermuntert, haben Nachbarn ihn gnadenlos denunziert. So hat in einem anonymen Schreiben „Ein Deutscher“ eigene Beobachtungen als „Beweise“ gemeldet. Die Polizei könne sich auf seine Unterstützung verlassen, denn „weitere Ermittlungen lasse ich, wenn es geht, folgen“. Im Mai 1937 wurde die Untersuchung zu den Akten gelegt, doch nicht ohne Leo Singer zu verwarnen. Ihm wird die Ausweisung angedroht, „für den Fall, daß er sich irgend wieder strafbar machen sollte“.

Spätestens 1938 erwog Leo Singer die Flucht aus Deutschland, denn er beantragte im September einen internationalen Führerschein. Erst am 1. Oktober 1939 floh er nach Brüssel und weiter nach Frankreich. Am 4. September 1942 wurde Leo Singer (32 Jahre) aus dem Durchgangslager Drancy nach Auschwitz deportiert und kam 1945 ums Leben.

Recherchen: Ruty Epstein-Mil (Nichte von Leo Singer).

Paten: Emil Rümpel und Familie.