Familie Bleiweiss

Vater Chaim Majer Bleiweiss wurde am 14. Januar 1894 in Lublin geboren. Im Jahr 1919 heiratete er in Tarnow, die hier geborene Marjam Lustgarten (*21.10.1895). Die Eheleute kamen 1922 nach Leipzig. Hier wurden ihre drei Söhne geboren: Bernhard (*27. Juni 1923), Wolf (*7. April 1924) und Leo (*17. Mai 1925 in Naunhof). Eine ältere Schwester (*1919) starb bereits im Alter von drei Jahren. Marjam und Chaim Bleiweiss betrieben ein Rauchwarengeschäft am Leipziger Brühl. Nach der Machtübergabe an die Nazis war auch die Familie antisemitischen Übergriffen ausgesetzt. So gehörte Chaim zu den jüdischen Männern, die die SA mit einem Schild um den Hals durch die Innenstadt trieb, auf dem stand: „Kauft nicht bei Juden. Kauft in deutschen Geschäften!“

Im Frühjahr 1937 verließ die Familie Deutschland ohne ihr Hab und Gut. In Mailand versuchte Chaim Bleiweiss, ein neues Pelzgeschäft aufzubauen. Doch auch in Italien verschlechterte sich die Situation für ausländische Juden dramatisch. So floh die Familie im Sommer 1939 weiter ins französische Nizza. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs wurde Chaim Anfang 1942 in das Internierungslager Le Vernet gebracht. Am Ende des Sommers kehrte er nach Hause zurück. Kurz zuvor wurden seine Frau und seine beiden Söhne Bernhard und Leo festgenommen. Wolf, der sich gerade in den Bergen aufhielt, entging der Razzia. Chaim konnte seinem Sohn noch mitteilen, in den Bergen zu bleiben. Um seine beiden anderen Söhne freizubekommen, riskierte Chaim eine Bestechung. Doch statt einer Befreiung wurde er mit seinen Söhnen in das Sammellager Drancy verschleppt und alle drei deportierte man einen Tag später, am 2. September 1942, nach Auschwitz. Dort wurden Chaim Bleiweiss (48 Jahre), Bernahrd (19 Jahre) und Leo (17 Jahre) ermordet.

Marjam Bleiweiss konnte sich der Deportation durch einen Krankenhausaufenthalt entziehen. Wolf befreite sie von da und beide flohen nach Saint Martin Vesubie, einem von den Italienern unterhaltenes Flüchtlingslager in den Bergen nahe Nizza. Ein Jahr später, im September 1943, wurde das Lager in Folge des Kriegsaustritts Italiens und der deutschen Besetzung aufgelöst. Marjam und Wolf gelang es, sich einer Partisaneneinheit anzuschließen. Doch Wolf wurde kurz darauf von italienischen Faschisten gefasst und in ein Gefangenenlager gebracht, wo sich bereits viele Juden befanden. Als zwei Monate später die Internierten nach Auschwitz deportiert wurden, gelang Wolf die Flucht und er konnte sich in den Bergen bei Partisanen verstecken. Nach dem Ende des Krieges ging Wolf mit seiner Mutter zurück nach Nizza. Erst hier erfuhren sie, dass sie die einzigen Überlebenden der Familie waren. Im Herbst 1946 wanderten sie in die USA aus, wo bereits ein Bruder von Marjam Beiweiss wohnte.

Pate: Ein Projekt des Erich-Zeigner-Haus e.V. mit Schülerinnen und Schülern der Oberschule am Adler.