Familie Isidor Kalter

Isidor Kalter war ein weiterer Sohn von Hanna und Baruch Kalter (siehe Stolpersteine Lortzingstraße 11). Er wurde am 31. Dezember 1892 in Tarnow geboren und war der erste seiner Familie, der im Jahre 1910 nach Leipzig kam und eine neue Existenz für die Familie begründete. Im Dezember 1921 heiratete er Jetti Klausner, die am 21. März 1898 in Leipzig geboren wurde. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Elfriede wurde am 25. November 1922 und Josef am 20. November 1924 in Leipzig geboren.

Isidor begann als Handlungsgehilfe und war später Handelsvertreter. Auch Isidor sollte am 28. Oktober 1938 im Rahmen der sogenannte „Polenaktion“ abgeschoben werden. Die Polizei ging an diesem Tag von Haushalt zu Haushalt und wen man antraf, der wurde auf den Bahnhof gebracht. Der Ausweisungsbescheid von Isidor enthält den handschriftlichen Vermerk: „nicht angetroffen, Wohnung verschlossen. [Unterschrift] Sachse“. Isidor konnte sich mit seiner Familie also verstecken oder er fand Zuflucht im Polnischen Konsulat in der Wächterstraße.

In der Folgezeit bemühte sich die Familie um eine Ausreise aus Deutschland, was nicht gelingen sollte. Im Frühjahr 1939 eröffnete sich die Möglichkeit, Elfriede mit einem der sogenannte „Kindertransporte“ nach England zu schicken. Doch auch das drohte an fehlenden Pässen zu scheitern. Da sich die Familie im November 1938 nicht in Polen befand, verlor sie die polnische Staatszugehörigkeit. Sie galt fortan als „staatenlos“. Isidor bemühte sich nun fieberhaft um einen „Staatenlosen-Pass“ für seine Tochter. Am 12./13. Juni 1939 konnte Elfriede mit weitern elf Kindern aus Leipzig über Berlin und Bremen nach England (Manchester) gerettet werden. Im Laufe des Frühjahrs 1939 sollte die Familie immer wieder nach Polen abgeschoben werden. Immer wieder gelang eine Fristverlängerung und Isidor kämpfte um eine Ausreise für die restliche Familie – ohne Erfolg. Kurz vor Kriegsausbruch, am 21. August 1939, wurde die restliche Familie nach Polen abgeschoben. Sie kam zunächst in Krakau unter.

Nach der deutschen Besetzung Polens wurde die Familie nach Tarnow umgesiedelt und Isidor traf hier auf seine Brüder Oskar (Stolpersteine Pfaffendorfer Straße 52) und Jakob (Stolpersteine Humboldtstraße 27) und ihre Familien. Am 11. Juni 1942 kam es in Tarnow und Umgebung zu Massenerschießungen durch die Polizei und die SS. An diesem Tag wurden auch Isidor Kalter (49 Jahre) und sein Bruder Jakob vor ihren Häusern erschossen, wie sich ihr Neffe Herbert Kalter erinnert.* Wenige Tage später wurde das Ghetto in Tarnow errichtet und es folgte die Deportation tausender Menschen in die Vernichtungslager – darunter auch Jetty Kalter (44 Jahre) und ihr Sohn Josef Kalter (ca. 17 Jahre).

* Herbert Kalter: 161306 Reporting – From darkness to light: A survivor’s journey, New York 2014.

Paten: Harriet Rubin (Tochter von Elfriede Kalter).