Familie Jakob Kalter

Jakob Kalter war ein Sohn von Hanna und Baruch Kalter (siehe Stolpersteine Lortzingstraße 11). Er wurde am 23. Mai 1896 in Tarnow geboren. Wie der Großteil seiner Familie kam er 1913 nach Leipzig. Im Jahr 1915 musste er zum Militär. Nach dem Ersten Weltkrieg befand er sich noch bis Mai 1921 in russischer Gefangenschaft in Sibirien. Mitte der 1920er Jahre lernte er Feiga Deutelbaum kennen, die am 6. Januar 1898 in Mokra Wies (Galizien) geboren wurde. Sie hielt sich bis dahin immer nur besuchsweise in Leipzig auf. Im November 1927 heirateten sie in der israelitischen Kultusgemeinde Kaaden an der Eger (Nordböhmen) und gründeten einen eigenen Hausstand in Leipzig. Jakob war wie seine Brüder Kaufmann. Ihr Sohn Alexander kam am 22. Juni 1931 zur Welt und ihre Tochter Sylvia am 20. Oktober 1938.

Jakob und seine Familie wurden noch nicht wie die meisten Kalters am 28. Oktober 1938 im Rahmen der sog. „Polenaktion“ nach Polen abgeschoben. Ihr Aufenthalt verlängerte sich bis Januar 1939. Am 1. Februar 1939 wurde die junge Familie nach Polen abgeschoben. In Tarnow trafen sie Jakobs Brüder Oskar (Stolpersteine Pfaffendorfer Straße 52) und Isidor (Stolpersteine Humboldstraße 12) wieder.

Am 11. Juni 1942 kam es in Tarnow und Umgebung zu Massenerschießungen durch die Polizei und die SS. An diesem Tag wurden auch Jakob Kalter (46 Jahre) und sein Bruder Isidor vor ihren Häusern erschossen, wie sich ihr Neffe Herbert Kalter erinnert.* Wenige Tage später wurde das Ghetto in Tarnow errichtet und es folgten die Deportationen tausender Menschen in die Vernichtungslager – darunter auch von Feiga Kalter (44 Jahre) und ihre Kinder Alexander (11 Jahre) und Sylvia (3 Jahre).

* Herbert Kalter: 161306 Reporting – From darkness to light: A survivor’s journey, New York 2014.