Familie Sonder

Arthur Sonder wurde am 27. Mai 1886 in Stadtlengsfeld (Thüringen) geboren. Seine Eltern waren Ruben Sonder (1856 – 1926) und Fanny Sonder, geb. Glückhauf (1856 – 1935). Er besuchte die Volkshochschule und erhielt Privatunterricht. Danach folgte eine kaufmännische Lehre. In Eisenach absolvierte er ein Studium an der dortigen Handelshochschule.

Im Jahr 1910 gründete er in Gelsenkirchen sein erstes Geschäft – das Textilkaufhaus „A. Sonder & Co. GmbH“. Arthur Sonder heiratete 1921 Friedel Engel, die am 7. März 1900 in Kassel geboren wurde. Das Ehepaar bekam zwei Kinder. Lore wurde am 4. Juni 1922 geboren und ihre jüngere Schwester, Ellen, am 10. Mai 1925. Anfang 1928 eröffnete Arthur Sonder in Leipzig ein Geschäft für Seiden-, Woll-, und Baumwollstoffe, Gardienen und Teppiche in der Petersstr. 16 und die Familie zog um. Zunächst wohnte sie in der Gohliser Straße 17 und ab Ende 1931 in der Fockestraße 8b.

Das Geschäft überstand die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und die ersten Boykottaktionen der Nationalsozialisten ab 1933 noch relativ unbeschadet. Doch im Frühjahr 1935 begannen die gezielten Angriffe der Nationalsozialisten auf die Firma, um den jüdischen Geschäftsmann zu enteignen. Aber Arthur Sonder wollte das Geschäft nicht aufgeben. Im Juli 1935 wurde er deshalb wegen „unlauterem Wettbewerb“ (Rabattverkauf von Stoffresten) angeklagt. Diese wahrscheinlich eher als geringfügig einzuschätzende Ordnungswidrigkeit führte dazu, dass er ein viel zu hohes Bußgeld von 30.000 Reichsmark zu zahlen hatte oder stattdessen für 5 Monate ins Gefängnis hätte gehen müssen. Das Urteil führte letztlich Ende 1935 zum Zwangsverkauf seiner Firma an Curt Hentschel, einem Mitglied der NSDAP.

Die Familie Sonder floh im Sommer 1936 nach England und Arthur eröffnete in London wieder ein Geschäft. Im März 1938 wurde der Familie die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Damit konfiszierten die Nazis das zurückgebliebene Vermögen.

Quelle: „Arisierung“ in Leipzig – Verdrängt. Beraubt. Ermordet. / Dr. Monika Gibas, Dr. Cornelia Briel, Petra Knöller, Steffen Held – Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, 2007

Recherchen: Cora Selina Gottschalk, Laura Bunke, Melissa Gaus, Jenny Kulbazki, Anton Canitz, Karl-Sua Kluge-Mosquera (Schülerinnen und Schüler der Apollonia von Wiedebach Schule), Carola Reinhardt (Lehrerin)

Paten: Jonathan Cummings (Urenkel), Edith Tomaselli, Arne Miedtank