Anna und David Schanzer

David und Anna waren die beiden ältesten Kinder von Aron und Marie Schanzer (geb. Künstlinger). David wurde am 24. September 1901 in Leipzig geboren. Neben seiner Schwester Anna, die am 31. Juli 1905 in Leipzig zur Welt kam, hatte er noch drei weitere Geschwister. Die jüngste Schwester Netti wurde die Schwiegertochter von Moritz Moses Neger (Stolperstein Thomasiusstr. 7).

David arbeitete im elterlichen Textilgeschäft. Ca. 1920 lernte er die nichtjüdische Näherin Marie Köllner kennen. Aus der Beziehung gingen zwei Kinder (geb. 1921 und 1924) hervor. Dem Paar war es nicht vergönnt zu heiraten. Die religiösen Eltern Davids ließen die Ehe mit einer Nichtjüdin nicht zu. Trotzdem blieb das Paar immer in Verbindung und David kümmerte sich um seine Tochter und seinen Sohn. Er sorgte für ihren Unterhalt und besuchte sie regelmäßig – bis September 1935. Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verbot die Beziehung unter Androhung von Strafe.

Marie Köllner wurde am 19.10.1935 von der Polizei verhört und gab zu Protokoll: "Den Juden Schanzer kenne ich seit 16 Jahren. Der persönliche Verkehr besteht auch heute noch und zwar deshalb, weil sich Schanzer um seine Kinder kümmert. Schanzer kommt meist Sonntags zu uns in die Wohnung. […] Mir ist bekannt, daß ich den Juden Schanzer nach dem neuen Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre nicht mehr heiraten darf.“*

Schlussendlich durfte David ausschließlich mit seinen Kindern spazieren gehen. Mit bereitwilliger Unterstützung der Nachbarschaft überwachte die Polizei 1935/36 das Paar: „Der Gewährmann, Schneidermeister Rothe, im gleichen Grundstück wohnhaft, erklärte, daß sich Schanzer innerhalb der letzten 4 Wochen nicht mehr bei der Köllner in der Wohnung habe sehen lassen. Er habe nur beobachtet, daß sie sich Sonntags zum gemeinsamen Spaziergang in Lindenau in der Merseburger Straße treffen und dann bis Böhlitz-Ehrenberg spazieren gehen. Die Köllner habe sich da stets in Begleitung der beiden Kinder befunden.“*

Davids Schwester Anna heiratete 1937 den Rauchwarenhändler Markus Fuchs. Sie hatten keine Kinder. Ihrem Mann gelang die Flucht über Frankreich in die USA.

Anna und David flohen 1939 nach Frankreich. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen gelang ihnen die weitere Flucht in die Schweiz nicht. Sie wurden von den Schweizer Behörden an die französische Vichy-Regierung ausgeliefert. Im Oktober 1942 kamen sie in das Lager Drancy. David Schanzer (41 Jahre) wurde am 4.11.1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet, Anna Fuchs (37 Jahre) zwei Tage später am 6.11.1942.

*Sächsisches Staatsarchiv Leipzig, PP-S 3908

Paten: Jürgen Köllner (Enkel), Hannah Lehmann, Vivian Krück, Jasmin Schäfer, Alexandra Huber, Keana Höche (Leibniz-Gymnasiums)