Werner Kähler

Werner Richard Kähler, geboren am 18. November 1912, führte bis zu seinem 21. Lebensjahr ein unauffälliges Leben. Er wohnte in Hamburg. Seine Eltern waren der Lagerführer Richard und Franziska Kähler, geb. David. Vom Beruf war er gelernter Kristallschleifer, er gehörte der evangelischen Religion an und hatte eine deutsche Staatsangehörigkeit. Nach der Verschärfung des §175 am 1. September 1935 (der sexuelle Handlungen zwischen zwei Männern verbot) wurde Kähler zum ersten Mal festgenommen. So wurde er am 13.09.1935 wegen „widernatürlicher Unzucht zwischen Männern“ zu 5 Monaten Haft verurteilt. Diese verbüßte er bis Dezember 1935.

Werner Kähler wurde allerdings 1936 wieder in polizeiliche „Vorbeugehaft“ und 1937 ins KZ Fuhlsbüttel bei Hamburg überführt. Dort blieb er für circa 3 Monate. Nach seiner Entlassung verlässt er am 23.11.1937, wenn auch unter Aufsicht, Hamburg und kommt in der Kantine „Glückauf“ bei Willbrandt in Quickborn unter. Da seine Mutter Franziska Kähler verwitwet war und früher den Namen Wilbrandt trug, lässt sich vermuten, dass er bei ihr unterkam. Dort blieb er 4 Tage, bevor er am 27.11. weiter nach Leipzig zog. Dort musste er seine neue Wohnung im Täubchenweg 14 in der Herberge „zur Heimat“ der Kriminalpolizeistelle melden.

Im Januar 1938 begann er in der Kieselgrube Breloh in Munster Grubenarbeit für die Firma „Kliefoth“-„Brahmer“ zu verrichten, wo er schließlich Erhard Otto Hartmann kennenlernte. Während der Zeit in Breloh lernt Kähler Erhard Hartmann besser kennen, woraufhin dieser im selben Jahr noch zu Kähler nach Leipzig zog. Dort bezogen sie zusammen eine Wohnung in der Karlstraße 12. Hartmann wurde jedoch bald darauf zum Westwall in Frankreich dienstverpflichtet. Als Hartmann später für eine Woche zurück nach Leipzig kam, wurden sie am 22.06.1940 bei einer Razzia in der Gaststätte Burgkeller von der Gestapo festgenommen. Am nächsten Tag gestand Kähler bei einer Vernehmung, in intimen sexuellem Kontakt mit Erhard Hartmann gewesen zu sein.

Kählers letzter Aufenthaltsort vor der Haft ist die Turnerstraße 9, in der er wohnte. Wegen eines Haftbefehls kam er Anfang Juli 1940 in Untersuchungshaft und am 10.08. wurde auf Grund des §175 Anklage erhoben. Nachdem das Hauptverfahren am 27.08. eröffnet wurde, wurde er vom Landgericht am 12.10.1940 zu einem Jahr Gefängnis und 3 Monaten Untersuchungshaft verurteilt. So wird er am 26.10.1940 vom Untersuchungsgefängnis ins Zuchthaus in Bautzen überführt, wo er bis zum 28.06.1941 seine Haft absaß und dann der Geheimen Staatspolizei Leipzig zugeführt wurde.

Kähler wurde am 10.09.1941 nach Buchenwald überführt. Am 14.03.1942 dann nach Ravensbrück und am 03.03.1945 wurde er nach Sachsenhausen deportiert. Diese Zeiten haben ihn schwer mitgenommen. Was in dem KZ mit Hartmann passierte, ist uns unbekannt. Fest steht, dass er in Sachsenhausen mit eingewiesen wurde. Trotz all dem überlebte Kähler diese Zeiten und starb dann an schwerer Krankheit am 24.10.1987 in Hamburg.

Ein Projekt des Erich-Zeigner-Haus e.V. mit dem Reclamgymnasium