Familie Goldfaden

Chiel (Carl) Kalman Goldfaden wurde am 25.8.1884 in Bochnia (Galizien) geboren. Er kam bereits um 1900 mit seinen Eltern nach Leipzig. Nach seinem Kriegsdienst heiratete er 1919 in Leipzig Cilka Affenkraut. Sie stammte ebenfalls aus Bochnia und wurde am 24.6.1887 geboren. Cilka war die Schwester von Israel Affenkraut (Stolpersteine in der Humboldtstr. 2). Am 9.6.1920 kam ihre erste Tochter Rosa zur Welt. Es folgten Gerhard am 22.7.1921 und Liese am 20.8.1922.

Chiel Goldfaden arbeitete als Vertreter für Weine. Sehr zu schaffen machten ihm seine Herzprobleme. Mit nur 52 Jahren starb er bereits am 5. Mai 1937. Cilka musste nun ihre drei Kinder allein durchbringen. Die Familie lebte in großer Armut. Gleichzeitig machte sich Cilka angesichts der nationalsozialistischen Politik gegenüber der jüdischen Bevölkerung große Sorgen um ihre Kinder. Es gelang ihr, die beiden Mädchen mit Hilfe einer jüdischen Hilfsorganisation nach Palästina zu bringen. Im Februar 1938 konnten Rosa und Liese Deutschland verlassen. Gerhard wollte seine Mutter nicht allein in Leipzig zurücklassen. In der Familie wurde über Gerhard folgende Geschichte erzählt: Vom Wohnungsfenster in der Keilstraße beobachtete er, wie seine Mutter von Nazis drangsaliert wurde. In der jüdischen Gemeinde bat er um Hilfe. Doch für den Weg, seine Mutter aus Deutschland hinaus zu bringen, brauchte es Geld, was die Familie nicht hatte. Am 1. März 1939 kam Gerhard mit einem Kindertransport nach England. In kindlich-jugendlicher Naivität wickelte er einen Stein in Papier und ging zum Buckingham Palace. Er sagte, er habe eine Bombe und würde den Palast sprengen, wenn sie ihm kein Geld zur Befreiung seiner Mutter gäben. Gerhard fand sich in einem englischen Gefängnis wieder. Im Jahr 1948 konnte er nach Israel ausreisen.

Cilka Goldfaden gelang die Flucht nicht. Ab Mai 1941 wohnte sie zusammen mit der Familie Freier (Stolpersteine in Münzgasse 3) in einer Wohnung des sogenannten „Judenhauses“ in der Walter-Blümel-Str. 21 (heute: Löhrstr.). Sie gehörte zu den Menschen, die am 21. Januar 1942 mit dem ersten Transport aus Leipzig in das Ghetto von Riga deportiert wurde. Hier gab sich Cilka jünger aus als sie war, vermutlich, um arbeitsfähiger zu erscheinen und den Todestransporten zu entgehen. Mit der Auflösung des Rigaer Ghettos 1944 kam Cilka Goldfaden (57 Jahre) in das KZ Stutthof, wo sich ihre Spur verliert.

Initiierung: Irit Barkay (Enkelin), Johanna Sarah May

Paten: Dr. Jorn Brauer (Kanada), Manfred Haber