Max Hellmann

Der jüdische Rechtsanwalt Max Hellmann wurde am 27. Mai 1884 in Leipzig geboren. Sein Abitur belegte er 1903 an der Thomasschule. Anschließend studierte er Jura. Das Amts- und Landgericht Leipzig ließ ihn 1913 als Rechtsanwalt zu. Sein Schwerpunkt lag im Zivil- und Strafrecht. Der nach eigenen Angaben deutschnational eingestellte Anwalt nahm 1924 den protestantischen Glauben an. Seine nichtjüdische Ehefrau Elsa Haferkorn starb bereits 1936. Damit schwand auch sein relativer Schutz einer sog. „Mischehe“ vor den Behörden. Max Hellmann beschäftigte zur Führung seines Haushaltes eine nichtjüdische „Stütze“. Zum Verhängnis wurde ihm die Beschäftigung einer 34jährigen Köchin, die ihm von Zeit zu Zeit das Essen zubereitete.

Damit verstieß Max Hellmann gegen das sog. „Blutschutzgesetz“ vom 15.9.1935. Demnach war es Juden verboten gewesen, weibliche Personen „deutschen Blutes“ unter 45 Jahren im eigenen Haushalt zu beschäftigen.

Für seine Verteidigung bestellte der Anwalt Adolf Hitler höchstpersönlich in den Zeugenstand, denn die subjektive juristische Auslegung des Gesetzes widerspreche dem Anliegen von Hitlers Reden. Mit dieser Forderung beging Max Hellmann praktisch Selbstmord. Die Nazi-Presse nahm diesen Vorfall zum Anlass, ihr Feindbild propagandistisch zu bestätigen. So schrieb u.a. die Merseburger Zeitung am 17.1.1938: „Um eine authentische Auslegung des Gesetzes zu erlangen, wollte der freche Jude übrigens den Führer als Zeuge laden lassen. Dieser echt jüdische Dreh verfing aber in keiner Weise.“

Über Hellmanns Motivation zu diesem Vorgehen lässt sich nur spekulieren. Vermutlich setzte ihm der Verlust seiner gesellschaftlichen Anerkennung nach 1933 zu, da er keine jüdische Identität empfand. Er fühlte sich wohl deutscher als manch „arisch“ Deutscher.

Am 15.1.1938 verurteilte ihn das Schöffengericht Leipzig zu zwei Monaten Gefängnis wegen des Verstoßes gegen das „Blutschutzgesetz“. Der Staatsanwaltschaft war diese Bestrafung ob der „Dreistigkeit“ zu milde und strengte ein Verfahren auf der Grundlage des „Heimtückegesetztes“ an. Am 15.9.1938 verhängte das Sondergericht Freiberg unter dessen Vorsitzenden Ernst Friesicke ein Jahr Gefängnis für Max Hellmann. Man brachte ihn in die Strafanstalt Bautzen und danach nach Buchenwald. Hier kam Max Hellmann (55 Jahre) am 13.10.1939 ums Leben.

 

Quellen: Hubert Lang: „Der Führer wünscht keine besonderen Maßnahmen.“ – Das Ende eines deutschen Rechtsanwalts

http://hubertlang.de/anwaltsgeschichte/der-fuehrer-wuenscht-keine-besonderen-massnahmen/

 

Pate: Andreas Albrecht