Marie Hamel

Marie Hamel, geb. Neumann, wurde am 26.7.1868 im böhmischen Srbsko geboren. Bereits im Alter von 13 Jahren verließ sie ihr jüdisches Elternhaus, um zu arbeiten. Im Jahr 1893 heiratete sie den nicht jüdischen Johann Hermann Hamel (Jg. 1867) in Dresden. Ein Jahr später kamen die Eheleute nach Leipzig. Hermann Hamel war Küfer, d.h. er baute Holzfässer und -eimer. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, von denen jedoch drei bereits im Kindesalter starben. Hermann übernahm 1905 eine kleine Schankwirtschaft in der Johannisgasse 23. Seit 1919 war er auch Eigentümer des Hauses. Maries‘ Mann starb im September 1929. Bis 1932 übernahm ihr Sohn Paul die Wirtschaft.

Nachdem das Haus in der Johannesgasse 1937 abgerissen wurde, zog Marie Hamel in die Südvorstadt in die damalige Adolf-Hitler-Str. 103. Sie wohnte in der Erdgeschosswohnung neben der Drogerie Wendt, die bis in die 1990er Jahre existierte.

Frau Hamel war sich vermutlich der Konsequenzen ihrer jüdischen Abstammung nicht bewusst. Aktenkundig wurde eine polizeiliche Anhörung und Verurteilung von 1940, da sie den seit 1939 angeordneten Zwangsnamen „Sara“ nicht verwendete. Dafür musste man eine verpflichtende Anzeige bei einer Polizeibehörde aufgeben. Frau Hamel gab zu Protokoll: „Ich habe geglaubt, daß ich zur Annahme des Zusatznamens ‚Sara‘ nicht verpflichtet war, da ich seit dem Jahre 1893 mit dem deutschblütigen Gastwirt Johann Hermann Hamel […] verheiratet war.“ Im September 1940 wurde sie zu 10 Reichsmark Strafe verurteilt. Diese eheliche Konstellation brachte für Marie Hamel aber zunächst einen gewissen Schutz. Doch Anfang 1944 begannen die Nazis nun auch jüdische Menschen aus nicht mehr bestehenden sog. „Mischehen“ (Scheidung oder Tod der nichtjüdischen Ehepartner) zu deportieren. Am 13.1.1944 wurde Marie Hamel (75 Jahre) in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Hier kam sie zwei Monate später am 13.3.1944 ums Leben.

 

Paten: GTA „Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage“ der Louise-Otto-Peters-Schule, Dr. Steffen Bratanow